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Die Schwarzwaldklinik

 

"Verdammt!" Beinahe wäre mir ein Blutgefäß entglitten bei dieser schwierigen Magenoperation. Ich klemmte es ab. Schwester Gabi wischte mir den Schweiß von der Stirn. Ich nickte. "Tupfer." Christa reichte ihn mir. "Schere."

Ich atmete nach einer Weile auf. "Udo, übernimm Du. Zum Schließen der Wunde brauchst Du mich ja nicht."

Ich ging nach nebenan, streifte die Handschuhe und Maske ab. Bereitete mich auf die Konfrontation mit dem Mann vor, dessen Frau ich gerade operiert hatte. Krebs. Unheilbar. Metastasen überall. Sie würde nicht mehr lange zu leben haben.

Wie spielt man das? Viele echte Ärzte äußerten ihre Zustimmung zur "Schwarzwaldklinik". Mit Einschränkungen.

Viele sagen: "Wär' das schön, wenn wir soviel Zeit für unsere Patienten hätten wie Ihr in der "Schwarzwaldklinik"...

Natürlich ist die "Schwarzwaldklinik" kein Spiegelbild der Wirklichkeit. Aber sie hat, wie kürzlich auch der Bundespräsident der Bundesärztekammer Karsten Vilmar sagte, Ärzten, Pflegern, Schwestern und Patienten Denkanstöße gegeben.

Der Erfolg unserer Serie wurde immer wieder durch tragische Ereignisse überschattet, durch den Tod großer, lieber Kollegen. Wie den Tod von Wolfgang Kieling. Er spielte bei uns den menschlichen, unbürokratischen Landarzt Dr. Marker. Erinnern Sie sich? Marker leistete Sterbehilfe bei einem schwerkranken alten Mann. Natürlich flog die Sache auf, und Brinkmann fuhr zu Marker, um ihn zur Rede zu stellen. Er mißbilligte das Verhalten des Kollegen. "Schließlich haben wir allen einen Eid geleistet, Leben zu retten - nicht, es zu zerstören", begründete er seine Ablehnung. "Wir werden darüber zu entscheiden haben, welche Motive Du hattest."

"Wir?" fragte Marker alias Kieling. "Bist Du neuerdings der Staatsanwalt? Sitzt Du über mich im Gericht? Bist Du Arzt? Oder ein Mensch?" Und er, selbst vom Tode gezeichnet, plädierten mit Tränen in den Augen für Sterbehilfe, für eine humanere Medizin.

Brinkmann verstand und trat später vor Gericht für Marker ein. Und ich schäme mich nicht zuzugeben, dass ich - wie viele Zuschauer - selbst Tränen in den Augen hatte, als ich später die großartige Leistung dieses großartigen Schauspielers sah.

Kieling selbst konnte seine Szene im Fernsehen nicht mehr sehen. Er starb vorher. Wir hatten während unserer Dreharbeiten gleich mehrmals den Tod von Kollegen zu beklagen, von Menschen, mit denen man auf engem Raum gelebt und gearbeitet hatte. Wolfgang Kieling war im Herbst 1985 der erste. Sein eigener Tod war qualvoll. Nach vielen Operationen versagte das Herz. Doch das Leben ging weiter, auch in der "Schwarzwaldklinik". Als abzusehen war, dass Kieling nicht weiterdrehen konnte, fand Wolfgang Rademann Ersatz in Rolf Schimpf.

Im Winter '85 starb unser erster Regisseur Freddy Vohrer. Ihm folgte Ernst Fritz Fürbringer, Paul Dahlke, Axel von Ambesser, Gert Fröbe. Er hatte bei uns seine erste Rolle nach einer schweren Krebsoperation gespielt. Es sollte auch seine letzte Rolle sein. Und dann noch Richard von Münch. Kurz vor seinem Tod spielte er bei uns noch seinen Sterbenden. Wissen Sie noch? Ein junger Arzt, Dr. Sager, hatte in der Klinik das Leben eines Kindes gefährdet. Er beichtete mir, dass er nur auf Wunsch seines Vaters Arzt geworden war. Brinkmann fuhr zu Sagers herzkrankem Vater, um dem alten Mann schonend die Wahrheit beizubringen. Doch der alte Sager erholte sich gerade von einer Herzattacke.

"Mein Sohn macht mir hoffentlich keine Schande?" fragte er schwach.

Ich kam ins Schleudern.

"Nein, nein, er bemüht sich", log ich. Und brachte es nicht fertig, dem todkranken alten Mann seine Illusionen zu nehmen. Kurz darauf starb er - in der Gewißheit für seinen Sohn das Beste gewollt und erreicht zu haben.

Richard Münch hatte kurz vor seinem eigenen Tod noch einmal eine beachtliche schauspielerische Leistung gezeigt - mit einer Sterbeszene. Makaber? Mag sein. Aber das ist das Leben auch: makaber, trivial und grausam.

 

"Ich bin Ehren-Schwarzwälder"

 

Und - schön. Während der Drehpausen machten wir Hauptdarsteller uns fit für die Serie. Gaby Dohm suchte Entspannung im Familienurlaub. Sascha Hehn beim Angeln, und ich erholte mich bei Wiedemann auf Gran Canaria oder in Ambach. Und nahm Platten auf, stand für andere Fernsehfilme vor der Kamera, drehte einen Film (den niemand sehen wollte). Und freute mich wieder - auf die Rückkehr in den Schwarzwald.

Besonders freute ich mich - als Rademann eines Tages verkündete: "Du bist seit heute Ehrenschwarzwälder!" Sogar ein Weg war nach mir benannt worden. Der "Klausjürgen-Wussow-Weg". Leider wird das Schild immer wieder geklaut. Es ist gerade immer dann weg, wenn ich es Freunden zeigen will.

 

 

 

 

 

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