© 2007 - 2017 / Schwarzwald-Kult-Klinik

Die Schwarzwaldklinik

 

Die Heimkehr (1)

 

 

Professor Brinkmann und Käti auf dem Heimweg.
Prof. Brinkmann: Die Heimkehr, ein feierliches Gefühl, was?
Käti: Aber es ist ja noch gar nicht solange her, dass wir hier waren.
Prof. Brinkmann: Tjaja. Ach Gott, das war als mein Vater gestorben war. Aber eine Beerdigung ist was anderes als eine Rückkehr, Käti.
Käti: Oh, die Hose!
Prof. Brinkmann: Was ist denn?
Käti: Die Hose. Das Geländer ist schmutzig.
Prof. Brinkmann: Entschuldige. Da, sieh mal. Die haben gerade Besuchszeit in der Schwarzwaldklinik. Im dem Bach haben wir als Jungs Forellen mit der Hand gefangen. Damals gab’s noch welche.
Käti: Ja, ich weiss. Und ausgesehen habt ihr... Naja, daran hat sich ja nicht viel geändert.
Prof. Brinkmann: Du hör mal zu. Vor vierzig Jahren warst du auch nicht so streng wie heute.
Käti: Ach.
Prof. Brinkmann: Nein, wirklich nicht. Immer wenn ich Prügel bekam hast du zu meinem Vater gesagt, jetzt reicht’s aber.
Käti: Na jetzt bist du immerhin erwachsen.
Prof. Brinkmann: Was? Ich? Nein, ich bin nicht erwachsen und ich will dir auch sagen, warum.
Käti: Na?
Prof. Brinkmann: Weil ich keine Lust dazu habe. Paß auf!
Professor Brinkmann klettert auf die Leitplanke.
Käti: Hach, oh Gott, oh Herr Professor.
Prof. Brinkmann: Ja was, Herr Professor. Aaaah!
Prof. Brinkmann kommt aus dem Gleichgewicht und springt von der Leitplanke runter.
Käti: Jaaa!
Prof. Brinkmann: Was jaaa?
Käti: Du bist nicht erwachsen.
Prof. Brinkmann: Komm, fahren wir.
Käti: Komm.
Professor Brinkmann auf der Landstraße.
Käti: Du fährst 100. Na, 70 sind erlaubt.
Prof. Brinkmann: Ist gut, Käti.
Ein Porsche hinter Prof. Brinkmann und Käti blendet auf.
Prof. Brinkmann: Was will denn dieser Trottel von mir?
Der Porsche überholt und der Fahrer zeigt einen Vogel.
Prof. Brinkmann: Das ist ein Trottel.
Käti: Ein Verrückter. Hast du dir die Nummer gemerkt? Na, so was muss man doch anzeigen.
Prof. Brinkmann: Nein, ich hab mir die Nummer nicht gemerkt, Käti.
Es kommt zum Unfall mit anderen Fahrzeugen.
Prof. Brinkmann und Käti kommen nach Hause.
Udo: Hallo Käti. Du siehst ja prächtig aus. Herzlich Willkommen.
Käti: Danke.
Prof. Brinkmann: Warum steht denn der Flügel da?
Udo: Tag Vater.
Prof. Brinkmann: Tag Udo.
Udo: Das Ding paßt nicht durch den Hauseingang. Ja, ich glaube wir brauchen eine Seilwinde. Hattet ihr eine gute Fahrt?
Prof. Brinkmann: Ohja.
Käti: Nein, ein Rüpel hätte uns beinahe gerammt.
Prof. Brinkmann: Kann man den nicht im Schuppen unterstellen bis die mit der Seilwinde kommen? Wenn’s regnet ist der Flügel doch hin.
Käti: Wann spielst du denn schon mal?
Udo: Ihr habt euch leider verspätet. Ich muss gleich wieder in die Klinik. Bis später.
Käti: Tschüß
Prof. Brinkmann: Käti, du weißt doch ganz genau, dass meine Frau gespielt hat.
Käti: Ja.
Im Hüsli.
Käti: Hach, du lieber Gott. Wenn bloß erst alles wieder an seinem Platz ist.
Prof. Brinkmann: Du Käti, ich trag die alten Bücher auf den Dachboden. Ich brauch die sowieso nicht mehr.
Käti: Soll ich dir helfen?
Prof. Brinkmann: Nein nein, das mach ich alleine.
Professor Brinkmann geht mit dem Karton zur Tür raus und bleibt mit dem rechten Daumen an einem rostigen Nagel hängen.
Prof. Brinkmann: Scheißdreck!
Käti: Jaja, das mach ich alleine.
Prof. Brinkmann: Wie kommt der Nagel in die Tür, sag mal?
Käti: Zeig mal her. Oh Gott, dass muss ja wohl behandelt werden. Ich fahr dich in die Klinik.
Prof. Brinkmann: Nee nee, fahren kann ich alleine.
Käti: Ich mach dir nen Verband.
Prof. Brinkmann: Hach, so was Blödes.
In der Notaufnahme der Schwarzwaldklinik.
Dr. Schäfer: Haben wir die Blutgruppen?
Dr. Rens: Bitte?
Dr. Schäfer: Blutgruppen.
Dr. Rens: Keine Ausweise.
Dr. Schäfer: Na dann Blutentnahme und sofort ins Labor. Da ist doch jemand.
Dr. Rens: Jaja, natürlich.
Doktor Schäfer sieht sich Patient Friedhelm Hensle an.
Dr. Schäfer: Was haben wir hier? Jaja, richtig. Können sie mich verstehen?
Friedhelm Hensle: Jaja.
Dr. Schäfer: Tut das weh hier?
Friedhelm Hensle: Nein.
Dr. Schäfer: Das?
Friedhelm Hensle: Ja, etwas.
Dr. Schäfer: Und das hier?
Friedhelm Hensle: Au!
Dr. Schäfer: Jaja.
Prof. Brinkmann kommt zur Klinik gefahren und blockiert die Zufahrt zur Notaufnahme.
Fahrer: Hey, sie! Die Notaufnahme muss frei bleiben. Parken sie weiter vorn.
Prof. Brinkmann: Entschuldigung. Bin schon weg.
In der Notaufnahme. Dr. Rens beendet gerade die Untersuchung eines Patienten.
Dr. Rens: So, danke.
Prof. Brinkmann tritt ein.
Prof. Brinkmann: Guten Tag.
Lernschwester Elke: Tag.
Dr. Rens: Guten Tag.
Prof. Brinkmann: Ich hab’ mir den Daumen an einem rostigen Nagel aufgerissen.
Dr. Rens: Aha. Nehmen sie Platz. Das sehen wir uns gleich mal an. So. Schwester Bettina, Tetanus. Naja, das ist nicht so schlimm. Das kriegen wir schon. Schwester Elke, Wunde sauber machen. So, darf ich das mal hier... den Mantel hier, Augenblick. So, bitte Schwester. Danke.
Dr. Rens verabreicht Prof. Brinkmann die Tetanus-Impfung.
Dr. Rens: So, danke sehr. Lassen sie mal schauen. Ah, das ist gut, ja. So, jetzt können sie verbinden, Schwester Bettina. Es geht wieder in Ordnung. Das kriegen wir wieder hin.
Prof. Brinkmann: Na, fein.
Udo kommt gerade vorbei.
Prof. Brinkmann: Aua! Mein Gott, Schwester. Können sie nicht ein bißchen vorsichtiger sein?
Dr. Rens: Stellen sie sich nicht so an. Wir hatten hier eben ganz andere Fälle.
Prof. Brinkmann: Hören sie mal.
Dr. Rens: Jaja. Auf so was wie sie haben wir gerade noch gewartet.
Prof. Brinkmann: Achja?
Dr. Rens: Ja. Haben sie einen Krankenschein?
Prof. Brinkmann: Nein.
Dr. Rens: Dann geben sie der Schwester ihre Personalien.
Lernschwester Elke: Ihr Name bitte.
Prof. Brinkmann: Brinkmann, Klaus.
Lernschwester Elke: Beruf?
Prof. Brinkmann: Arzt.
Dr. Rens sieht überraschend auf.
Dr. Rens: Sie sind doch nicht etwa zufällig....
Udo: Doch, Herr Kollege.
Prof. Brinkmann: Der neue Chefarzt? Ja. Vielen Dank für die Versorgung. Wiederschaun. Grüß dich, Udo.
Udo: Tag.
Dr. Rens: Oh mann, so ein Mist. Sag mal, konntest du mir nicht einen Wink geben?
Udo: Warum denn?
Im Hause Brinkmann.
Käti: Wir frühstücken doch zu dritt, oder?
Prof. Brinkmann: Ja, ich weiss nicht. Oben ist noch alles still.
Klavierklänge im Garten.
Prof. Brinkmann: Ja, sag mal, wer ist das denn?
Käti: Eine von Udos Freundinnen, oder?
Prof. Brinkmann: Was macht die denn hier?
Käti: Siehst du ja.
Udo kommt zum Frühstück.
Udo: Guten morgen.
Käti: Guten morgen, Udo. Setz dich.
Prof. Brinkmann: Morgen.
Käti: Ich war schon mit dem Fahrrad im Dorf und hab’ frische Brötchen geholt.
Udo: Danke Käti, das ist lieb gemeint, aber ich habe schon gefrühstückt.
Käti: Kannst deine Freundin ja herein bitten, wenn’s darum geht.
Prof. Brinkmann: Jaja, natürlich.
Udo: Ein andermal vielleicht. Was macht der Daumen?
Prof. Brinkmann: Du, ich werd’s überleben.
Udo: Kollege Rens hat Angst, dass er es nicht überlebt.
Prof. Brinkmann: Achso?
Udo: Naja, ich hab ihn beruhigt und gesagt du bist gar nicht so. Das durfte ich doch, oder?
Prof. Brinkmann: Natürlich. Wobei ich nicht weiss, was du unter 'so' verstehst.
Erneute Klavierklänge im Garten.
Käti: (Seufz) Hol endlich die junge Dame rein, Udo. Das Geklimper fällt deinem Vater ja auf den Wecker.
Udo: Ach Käti, Papa und meine Freundinnen. Das ist so nen Kapitel für sich. Apropo Freundin. Kommt eigentlich Elena nach?
Prof. Brinkmann: Nein. Sie hat in Karlsruhe einen Lehrauftrag angenommen. Da wechselt man nicht so schnell.
Udo: Morgen ist große Amtsübergabe, nicht wahr?
Prof. Brinkmann: Kleine, hoffe ich.
Udo: Du hast Pech. Dein Vorgänger war beliebt.
Prof. Brinkmann: Wieso hab ich dann Pech?
Udo: Ja, du hast Recht. Das Pech hab eigentlich ich. Na, es könnte ja sein, dass ich von dir unter Druck gesetzt werde. Schon um dem Verdacht der Begünstigungen zu entgehen.
Prof. Brinkmann: Du, ich setz niemand unter Druck. Höchstens unter Leistungsdruck... zum Wohle der Patienten.
Udo: Das ist ein gutes Schlußwort. Na, dann will ich mal wieder gehen.
Professor Brinkmann nimmt die Zeitung in die Hand.
Käti: Elena kommt nicht nach, sagst du?
Prof. Brinkmann: Nein.
Käti: Aha. Warum eigentlich nicht?
Prof. Brinkmann: Weil Schluss ist.
Käti: Ahja. Jaja, Schluss war ja eigentlich immer. Als du von Paris zurück bist war Schluss, als du von Zürich zurück bist war Schluss und plötzlich ward ihr dann doch wieder zusammen... weil sie dir nachgereist ist, ja (lächelt).Und jetzt ist wieder Schluss.
Prof. Brinkmann: Wir bleiben Freunde. Es wäre doch lächerlich, wenn zwei Menschen, die sich fachlich und menschlich so gut verstanden haben wie Elena und ich, und plötzlich keinen Kontakt mehr miteinander hätten.
Käti kichert.
Prof. Brinkmann: Was ist los?
Käti: Ach, nichts, nur dass du das in Paris und Zürich auch immer schon gesagt hast.
Prof. Brinkmann: Du hör mal zu, Käti. Elena und ich, wir haben uns getrennt. In aller Freundschaft, aber für immer. Elena und ich wir mögen keine halben Sachen. Hast du mich verstanden?
Käti: Jawoll, Herr Professor.
Udo mit seiner Freundin im Garten. Schwester Christa kommt vorbei.
Udo: Christa! Christa, entschuldige, ich....
Professor Brinkmann ist gerade auf dem Weg zur Terrasse.
Udo: Was ist denn?
Schwester Christa verläßt das Grundstück.
Udo: Christa!
Freundin: Wer war das denn?
Udo: Das? Das war eine Schwester aus der Klinik. Gestern hab’ ich zu ihr gesagt komm doch mal vorbei und nun ist sie vorbeigekommen.
Freundin: Aha. Und warum fragst du weshalb sie wegläuft, wenn sie dich hier mit mir sieht?
Udo: Schön, wir wollen es nicht problematisieren, ok? Ich bin ein spontaner Mensch.
Freundin: Und wie ist er?
Udo: Wer? Mein Vater? Wie soll er schon sein? Er kann alles, weiss alles, macht dich zur Null. Er hat die Gabe selbst seine Niederlagen als Siege zu verkaufen. Starke Persönlichkeit.
Freundin: Und der wird nun dein Chef?
Udo: Ja. Dolle Aussichten, was?
Abends im Hause Brinkmann.
Käti: Die blonde ist weg, er auch.
Prof. Brinkmann: Achso?
Käti: Haaaach, aber es sieht aus bei ihm, da muss ich mal gründlich Ordnung machen.
Prof. Brinkmann: Das würde ich nicht tun. Er will doch sein Leben selbst gestalten.
Käti: Hast du dich über ihn geärgert?
Prof. Brinkmann: Ach Käti, du weißt doch, wie er ist.
Kati: Ja, ich weiss auch, wie du bist. Immer gleich brummig.
Prof. Brinkmann: Sag mal, wie soll ich reagieren, wenn er mit solchen Frechheiten kommt wie 'du hast Pech, dein Vorgänger war beliebt'? Soll ich ihm mit väterlicher Zuneigung um den Hals fallen, oder was?
Käti: Aber er meint es doch alles gar nicht so.
Prof. Brinkmann: Na warum sagt er es dann? So, lass mich bitte arbeiten, ja?
Chefarztübergabe durch den Landrat.
Landrat: Für das alles, hochverehrter Professor Schiermann, spreche ich ihnen als Landrat im Namen des Regierungsbezirks und der Kommunen meinen herzlichsten Dank aus.
Mühlmann: Auch im Namen der Verwaltung nochmals vielen Dank und alles Gute. Oberschwester Hildegard?
Oberschwester Hildegard überreicht einen Blumenstrauß an Professor Schiermann.
Landrat: Dieser Abschied, meine Damen und Herren, würde noch viel schwerer wiegen, wenn wir nicht als Nachfolger eine Kapazität, wie Herrn Professor Brinkmann, unter uns hätten. Ein Sohn der Stadt übrigens, der seine vielfältigen medizinischen Erfahrungen aus Zürich, aus Paris, zuletzt aus Karlsruhe wieder mit in die alte Heimat bringen wird. Ich persönlich fühle mich äußerst glücklich, dass diese Klinik........
Lautsprecherdurchsage: Dr. Schäfer, bitte in den OP. Dr. Schäfer bitte in den OP.
Dr. Schäfer: Entschuldigung.
Landrat: ....dass diese Klinik den hohen Anspruch, den sie sich selbst gesetzt hat, auch in Zukunft wird erfüllen können.
Dr. Schäfer auf der Intensivstation.
Dr. Schäfer: So, was gibt’s?
Arzt: Herzstillstand. Superrenin aus Kalzium hat er schon.
Dr. Schäfer: Kommen sie, ich lös’ sie mal ab. Geben wir noch Cortison.
Dr. Schäfer bei der Herzmassage. Der Patient stirbt.
Dr. Schäfer: Dass die Ehefrau noch nichts davon erfährt. Die ist nicht stabil genug.
Arzt: Ich glaub’ es ist besser so.
Dr. Schäfer: Ich hatte eigentlich von Anfang an keine Hoffnung.... bei den Röntgenaufnahmen.
Arzt: Ich dachte er würd’s schaffen
Dr. Schäfer: Ach äh, rufen sie doch bitte noch gleich die Polizei an, damit die den Herren vernehmen kann.
Arzt: Ja.
Udo bei Schwester Christa im Schwesternzimmer.
Udo: (klopft an) Hallo? Es tut mir leid, ok? Das ist ne Bekannte von früher, das ist nichts Ernstes. Die ist plötzlich aufgetaucht, wirklich.
Christa: Halbnackt?
Udo: Ist das ein Grund nicht mehr miteinander zu sprechen?
Christa: Wenn es dienstlich wird rede ich schon.
Udo: Christa, ich bitte dich.
Christa: Es ist besser so.
Udo: Nein, es ist gar nicht besser so.
Christa: Es ist in jedem Fall besser so. Ärzte sind Ärzte und Schwestern sind Schwestern.
Udo: Voriges Jahrhundert, wie?
Christa: Selbstachtung ist zeitlos.
Udo: Ok. Ok, ich akzeptiere, dass ich dich gekränkt habe. Was soll ich noch tun außer dich um Verzeihung bitten?
Christa: Mich in Ruhe lassen.
Professor Brinkmann und Professor Schiermann im Chefarztzimmer.
Prof. Brinkmann: Und da ist weder durch OP noch durch Chemotherapie was zu machen.
Prof. Schiermann: Nein. Metastasen wo sie hinschauen.
Prof. Brinkmann: Weiss sie’s?
Prof. Schiermann: Nein, die Berichte liegen erst heute vor, aber ich glaube sie ahnt es. Das wäre, was die schwersten Kranken angeht, alles. (steht aus dem Chefarztsessel auf) Entschuldigen sie, das ist ja jetzt ihrer.
Prof. Brinkmann: Sie gehen ja freiwillig, wie ich gehört habe, nicht? 
Prof. Schiermann: Trotzdem fällt mir der Abschied schwer. Tja, in zehn zwanzig Jahren wird ihnen das genauso gehen. Ruhestand, dieses.... dieses Wort allein.... Naja, gehen wir zusammen essen, besprechen diverse Kleinigkeiten hinterher?
Prof. Brinkmann: Gern.
Werner Kirsch hat Besuch von seiner Mutter und seinem Hund Jerry.
Werner Kirsch: Ja, Jerry. Ja, bist du mein kleiner? Jaaa. Kuck’ mal. Was hab’ ich denn da? Jaaa. Hey!
Pfleger Mischa: Morgen die Herrschaften.
Patient Echsle: Moin.
Werner Kirsch: Willst du gar nicht? Jaaa.
Pfleger Mischa: So, dann woll’n wir mal.
Patient Echsle: Hach, nun geht’s wohl los, was?
Pfleger Mischa: Ja, alles halb so wild. So, Moment. Vorsichtig hoch. Geht’s?
Patient Echsle: Jaja.
Pfleger Mischa: So, und langsam runter. So, wollen wir mal eine schöne Schneise in den Urwald schlagen, ne?
Patient Echsle: Aber mit Sahne, was?
Pfleger Mischa: Mal probieren?
Patient Echsle: Och, Lümmelchen. Wo ich doch so nen Hunger habe.
Pfleger Mischa: Hast doch noch genug zuzusetzen., hör mal. Wird jetzt glatt wie nen Kinderpopo.
Patient Echsle: Als Zivildienstleistenden hast ne ziemlich große Klappe, Junge.
Friedhelm Hensle: Drückeberger haben meistens ne große Klappe.
Patient Echsle: Hör gar nicht hin. Der hat immer was zu meckern.
Werner Kirsch: Isst er denn auch immer gut?
Frau Kirsch: Wie nen Scheunendrescher. Um ihn brauchst du dir keine Sorgen machen. Aber wie geht’s dir denn?
Werner Kirsch: Och, ganz gut.
Frau Kirsch: Keine Schmerzen mehr?
Werner Kirsch: Nein.
Frau Kirsch: Wirst auch bald entlassen, hat der Doktor gesagt.
Schwester Christa kommt ins Krankenzimmer.
Schwester Christa: Das geht aber nicht, Frau Kirsch. Der Hund muss draußen bleiben.
Frau Kirsch: Ohja. Entschuldigen sie. Komm, wir gehen in den Park.
Friedhelm Hensle: Sie haben vollkommen recht. Das Gewinsel geht einem ganz schön auf den Keks.
Patient Echsle: Ihr Geschnarche aber auch.
Schwester Christa: Jetzt wollen wir aber mal alle ganz schön friedlich sein.
Pfleger Mischa: So, fertig. Toi toi toi.
Schwester Christa: So!
Patient Echsle: Dann woll’n wir mal, Schwester.
Schwester Christa: Ja, ich geb’ ihnen jetzt ihre Spritze, Herr Echsle.
Patient Echsle: Ich freu’ mich irrsinnig.
Schwester Christa: Der Anästhesist hat ihnen ja alles erklärt.
Patient Echsle: Ja. Schwester Christa, sagen sie, wer operiert mich denn?
Schwester Christa: Doktor Brinkmann.
Patient Echsle: Ach, der Chef.
Schwester Christa: Nein, der Chef ist Professor Brinkmann. So.
Krankenpfleger kommen Patient Echsle in den OP abholen.
Schwester Christa: Ja, sie können ihn jetzt mitnehmen.
Patient Echsle: Halten sie mir die Daumen, Schwester.
Schwester Christa: Na klar.
Oberschwester Hildegard betritt mit einem Polizisten das Krankenzimmer.
Oberschwester Hildegard: Guten morgen.
Polizist: Morgen.
Friedhelm Hensle: Morgen. Wann ist mein Einzelzimmer endlich frei, Oberschwester?
Oberschwester Hildegard: Morgen oder übermorgen, Herr Hensle. Das ist Polizeimeister Stengelmeier. Doktor Schäfer hat die Erlaubnis gegeben zu dem Besuch. Also bitte schön.
Polizist: Dankeschön. Herr Hensle, ich bin in erster Linie gekommen, um ihnen die Fahrerlaubnis zu entziehen. Dies ist der Gerichtsbeschluß.
Friedhelm Hensle: Wieso denn, wenn ich mal fragen darf?
Polizist: 1,8 Promille, Herr Hensle.
Friedhelm Hensle: Was denn, was denn? Ist mir etwa, während ich in Ohnmacht war, gegen meinen Willen Blut entnommen worden?
Polizist: Diese Maßnahme ist nicht ungesetzlich, Herr Hensle.
Friedhelm Hensle: Ich lege Widerspruch gegen diesen Beschluß ein. Ich bin vorschriftsmäßig gefahren. Dieser Knallkopf, der mir entgegenkam.....
Polizist: ..... ist tot. Ausserdem, Herr Hensle, hat die Rekonstruktion am Unfallort und die Zeugenbefragung ein etwas anderes Bild ergeben.
Friedhelm Hensle: Der ist tot.
Polizist: Ja. Aber bitte, fahren sie fort. Wie hat es denn aus ihrer Sicht alles ausgesehen?
Friedhelm Hensle: Naja, ich mußte plötzlich ausweichen. Da war ein Radfahrer und der schwenkte nach links. Wieso schauen sie denn so? Den hat natürlich kein Zeuge gesehen den Radfahrer, nicht wahr?
Polizist: Nein, den hat keiner gesehen.
Professor Brinkmann trifft Schwester Christa auf dem Klinikflur.
Prof. Brinkmann: Ach, Schwester......
Schwester Christa: Ja, Herr Professor?
Prof. Brinkmann: Wo kenn ich sie denn her? Ich hab sie doch schon mal..... Oh, Entschuldigung. Wo sind die Labors, bitte?
Schwester Christa: Im Keller. Erst nach rechts und dann den Fahrstuhl.
Prof. Brinkmann: Dankeschön, ich kenn mich noch nicht so aus, wissen sie?
Gerhard Beck besucht seine Frau im Klinikpark.
Gerhard Beck: Na? Wie geht’s dir heute, Mäuschen?
Gerda Beck: Gut, Gerhard, gut.
Gerhard Beck: Keine Schmerzen mehr? Kein Brennen?
Gerda Beck: Nein. Es geht mir gut.
Gerhard Beck bringt seiner Frau etwas zu essen mit.
Gerda Beck: Oh, danke. Und wie kommst du zurecht?
Gerhard Beck: Ich? Ach Gott. Haja, ein Kinderspiel ist das nicht. Aber macht dir nur keine Sorgen. Hauptsache ist du wirst bald operiert. Je länger die das hinausschieben, umso länger dauert es.
Gerda Beck: Ich werde nicht operiert, Gerhard.
Gerhard Beck: Du wirst gar nicht... Na, das ist doch prima. Ich meine, das hat mir sowieso nicht gut gefallen mit dieser Operation, wo du doch so schwach bist. Was ist denn der Grund dafür, dass sie die Operation abgesagt haben?
Gerda Beck: Den Grund haben sie mir noch nicht gesagt. Aber es wird wohl daran liegen, dass ich so schwach bin.
Gerhard Beck: Hmm. Naja, Und der… der Arzt... der sagt garnichts?
Gerda Beck: Doch, heute nachmittag.
Gerhard Beck: Heute nachmittag, heute nachmittag. Was ist das denn für eine Betreuung? Sowas muss man doch wissen. Ich geh’ zum Chefarzt, Gerda.
Gerda Beck: Nein, bitte. Bitte bleib’ hier, Gerhard. Setz’ dich wieder. Sieh’ mal, die Ärzte geben sich sehr viel Mühe mit mir, auch der neue Professor. Aber eine Operation... verstehst du?
Gerhard Beck: Nö, das versteh’ ich nicht. Die haben doch alles hier, modernste Geräte. Da muss man doch auch was damit machen, oder?
Gerda Beck: Ja, das werden sie auch, Gerhard.
Gerhard Beck: Na siehst du. Nur Mut.
Melanie Wick und Patientin Schick im Krankenzimmer.
Patientin Schick: Ist ja herrliches Wetter heute. Schmerzen?
Melanie Wick: Nein.
Patientin Schick: Ich hab’ ein Kreuzworträtsel, wenn sie möchten?
Melanie Wick: Nein nein, danke.
Schwester Christa bringt die Medikamente.
Schwester Christa: So, dann wär’s mal wieder soweit. Bitte, Frau Schick.
Patientin Schick: Danke.
Schwester Christa: Frau Wick. Dann wünsche ich einen schönen Tag heute.
Patientin Schick: Danke.
Melanie Wick versteckt die Medikamente im Nachtischschrank.
Professor Brinkmann mit Dr. Schäfer im Klinikpark.
Prof. Brinkmann: Nee nee, Schäfer. Das glaube ich nicht. Ich vermute da eher einen abgeschlossenen Infektionsherd mit stossweisen Ausschüttungen von Bakterien in den Blutkreislauf.
Dr. Schäfer: Das ist möglich. Das würde dann ja auch den Fieberanstieg erklären, nicht?
Prof. Brinkmann: Ja, aber die Laboranalysen sagen zwar.......
Professor Brinkmann sieht Werner Kirsch und seine Mutter mit Hund Jerry. Udo beobachtet die Situation vom Balkon aus. Werner läuft weg.
Dr. Schäfer: (lacht, sieht auf die Uhr) Oh, Entschuldigung, ich muss.
Prof. Brinkmann: Wie haben sie den denn reingeschmuggelt?
Frau Kirsch: Na, in der Tasche. Es ist doch, weil..... Werner den Hund so lieb hat und der Hund ihn. Seitdem er gestorben ist.....
Prof. Brinkmann: Wer?
Frau Kirsch: Na, der Herr Bärwald, der Rentner, dem der Hund gehörte. Werner hat ihn zuletzt betreut... den Hund.
Prof. Brinkmann: Aber Hunde dürfen nicht auf’s Klinikgelände wegen der Ansteckungsgefahr.
Frau Kirsch: Wenn er eingeschläfert wird.... das bringt den Jungen um. Er hat dem alten Mann versprochen sich um den Hund zu kümmern, aber mein Mann verträgt ihn nicht. Er ist allergisch, wissen sie? Er.... er kriegt keine Luft.
Prof. Brinkmann: Aha. Naja, von Katzen kenne ich das, aber von Hunden? Ist er in Behandlung?
Frau Kirsch: Mein Sohn? Jaja, das ist der.......
Prof. Brinkmann: Ihren Mann meine ich, wegen der Allergie.
Frau Kirsch: Nein, das ist es ja. Ich weiss nicht mehr ein noch aus. Hinzu kommt, dass wir umziehen nach Freiburg in eine Wohnung, wo Tierhaltung verboten ist. Und dabei ist Jerry doch so lieb.
Prof. Brinkmann: Beruhigen sie sich erst mal, ja?
Frau Kirsch: Werner sagt, wenn der Hund eingeschläfert wird, dann will er auch nicht mehr leben.
Prof. Brinkmann: Aber..... eingeschläfert, was ist das für ein Blödsinn. Ich werd’ mal mit Werner reden, was?
Udo sitzt im Ärztezimmer. Jemand klopft an die Tür.
Udo: Ja bitte?
Schwester Christa tritt ein.
Schwester Christa: Entschuldigung. Die Patientin Melanie Wick sammelt ihre Medikamenten im Nachtisch. Frau Schick hat das beobachtet.
Udo: Na und? Dann nehmen sie sie ihr wieder weg.
Schwester Christa: Ich dachte, damit wäre es nicht getan.
Udo: Richtig. Schlucken muss sie schon, was sie verordnet bekommt. Christa, ich will am Sonntag an den Titisee. Kommst du mit.
Schwester Christa: Nein, aber ich wünsche viel Vergnügen.
Udo: Christa, der Wechsel von einer Freundschaft zur anderen geht nicht immer nahtlos. Da gibt es Komplikationen. Und jetzt, wo alles zwischen uns klar sein könnte, ich mein es wär’ doch Blödsinn wenn du wie ein Trotzköpfchen.....
Dr. Schäfer betritt das Ärztezimmer. Schwester Christa geht.
Udo: Tun sie sich keinen Zwang an. Mein Vater wird ein offenes Ohr haben. Ja wirklich, sie haben nichts zu befürchten, dass sie sich unbeliebt machen, wenn sie den Vorfall melden.
Dr. Schäfer: Also ihre Konfliktbereitschaft in Ehren, Herr Kollege, aber es gibt bestimmt wichtigeres.
Udo: Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass sie sich einen Gewissenskonflikt ersparen können. Handeln sie einfach so, als ob ich nicht der Sohn des Chefs wäre.
Dr. Schäfer: Gut, dann weise ich sie hiermit zurecht und zwar in aller Forum. Genügt das?
Udo: Jawohl, Herr Oberarzt.
Gerhard Beck auf dem Weg zu Professor Brinkmann.
Gerhard Beck: Tag. Ich möchte zum Professor.
Frau Meis: Ja, aber dann müssen sie sich anmelden, Herr Beck. Sie können doch nicht einfach ... Entschuldigung, ich konnte Herrn Beck einfach nicht zurückhalten.
Prof. Brinkmann: Lassen sie. Kommen sie herein, Herr Beck.
Gerhard Beck: Ich erfahre, dass meine Frau nun doch nicht operiert wird. Was soll denn das Hin und Her? Über eine Woche liegt meine Frau nun hier und es wird nichts gemacht. Garnichts. Ich hab’ drei Kinder, wissen Sie und arbeite im Sägewerk. Ich kann mich nicht um sie kümmern. Ihr Vorgänger, also Prof. Schiermann, hat gesagt diese Woche wird operiert und sie machen alles rückgängig.
Prof. Brinkmann: Nehmen sie Platz, Herr Beck.
Gerhard Beck: Hat sich’s denn so gebessert, dass sie gar nicht operiert werden muss? Aussehen tut sie ja schrecklich.
Prof. Brinkmann: Herr Beck, mein Kollege Professor Schiermann, hat eine Operation in Aussicht gestellt bevor alle Untersuchungsergebnisse vorlagen. Jetzt haben wir die letzten Laboranalysen und jetzt würde auch Professor Schiermann nicht mehr operieren.
Gerhard Beck: So, und warum nicht?
Prof. Brinkmann: Herr Beck, ihre Frau hat Krebs, der nicht mehr operiert werden kann. Die Metastasen haben alle mehr oder minderlebenswichtigen Organe befallen.
Gerhard Beck: Und was heißt das? Dann müßte doch erst recht operiert werden, oder nicht? Ich meine, sie können meine Frau nicht einfach...... nee nee, also das nicht. Wie schlimm ist es denn?
Prof. Brinkmann: Wir können ihr nur unnötige Schmerzen ersparen.
Gerhard Beck: Aha, das können sie. Unnötige Schmerzen ersparen. Und sonst können sie nichts?
Prof. Brinkmann: Nein, leider nicht.
Gerhard Beck: Sie ist aber erst 39, Herr Professor. Und wir haben drei Kinder. Und wieso war sie all die Jahre gesund, ich meine, so was kommt doch nicht auf einmal? Das haut einen ja um. Da hat ja nichts mehr Sinn, wenn das so ist. Die war nie beim Arzt. Nie, bis vor einer Woche nicht.
Prof. Brinkmann: Ja, Herr Beck, vielleicht hätte sie mal gehen sollen, nicht?
Gerhard Beck: Sie wird also.......... sterben.
Prof. Brinkmann: Ja. Nehmen sie sie mit nach Hause.
Gerhard Beck: Nach Hause. Wir haben wohl eine Villa, was? Mit Personal vorn und hinten. Oh Gott, oh Gott, ne. Nach Hause….. Soll ich sie pflegen? Vom Sägewerk aus oder soll ich unbezahlten Urlaub nehmen? Wir haben gebaut. Ich.... ich hab Schulden, ich ackere wie ein Wilder. Nein, sie.... sie darf nicht sterben, Herr Professor. Es hat keiner was verbrochen von uns, keiner. Weiss sie’s schon?
Prof. Brinkmann: Ja, Herr Beck, seit einer Stunde.
Gerhard Beck: Und wie nimmt sie es auf?
Prof. Brinkmann: Sie hat Angst, ihretwegen. Sie hat Angst, dass sie damit nicht fertig werden. Und diese Angst müssen sie ihr nehmen. Sie müssen ihr beweisen, dass sie es schaffen. Und sagen sie ihr nichts von dem, was sie mir in ihrer Verzweiflung alles gesagt haben. Und besuchen sie sie, so oft es geht.
Gerhard Beck: Danke, auch für die Offenheit.
Eugen Fitz zu Besuch bei seiner hochschwangeren Frau.
Frau Fitz: Erzähl weiter.
Eugen Fitz: Na hören sie mal, habe ich zu der Verkäuferin gesagt. Wenn es ein Mädchen wird, dann spiele eben ich mit der Eisenbahn.
Professor Brinkmann kommt ins Krankenzimmer.
Prof. Brinkmann: Aha, die freudigen Ereignisse haben sich schon herumgesprochen, was?
Frau Fitz: Ja, Herr Professor. Doktor Schäfer hat mir gesagt, wie gut sich alles entwickelt.
Prof. Brinkmann: Na, fein. Brinkmann (zu Eugen Fitz).
Eugen Fitz: Fitz. Eugen Fitz.
Prof. Brinkmann: Eugen Fitz?
Eugen Fitz: Ja, wir sind zusammen mal ein paar Jahre in ein und dieselbe Klasse gegangen.
Prof. Brinkmann: Eugen Fitz. Mein Gott, wie lange ist das her? Na, dann können wir ja du sagen wie früher.
Eugen Fitz: Sieht übrigens gut aus mit meiner Frau habe ich gehört.
Prof. Brinkmann: Ohja. Mit dem Kind auch. Wir machen noch ein bißchen Bewegungstherapie und den Rest den besorgt die Natur. Allerdings wollen wir sie noch ein bißchen unter Aufsicht behalten.
Frau Fitz: Nichts dagegen. Es gefällt mir gut hier.
Eugen Fitz: Hab’ Urlaub genommen. Kann sie jeden Tag besuchen. Bin übrigens letztes Jahr zum Oberbaurat avanciert. Habe jetzt die Oberaufsicht über sämtliche Bauvorhaben der Stadt.
Prof. Brinkmann: Na gratuliere.
Eugen Fitz: Danke. Ja vielleicht sieht man sich mal privat.
Frau Fitz: Ja, Herr Professor.
Eugen Fitz: Unser Kammermusikabende werden von sehr interessanten Leuten besucht.
Prof. Brinkmann: Och, da würde ich gerne kommen, aber weißt du mit meiner Zeit ist das bißchen schwierig.
Eugen Fitz: Naja, ich verstehe, ich meine unsereins hat seine Verpflichtungen. Aber trotzdem....
Prof. Brinkmann: Trotzdem....ich will tun, was sich machen läßt. Wiederschaun.
Eugen Fitz: Wiedersehen.
Frau Fitz: Das ist ein netter Mann, der Herr Professor.
Eugen Fitz: Jahaha.
Professor Brinkmann bei der Visite.
Prof. Brinkmann: Morgen. Mein Name ist Brinkmann. Ich bin der neue Chefarzt.
Patient Echsle: Morgen, Herr Professor.
Prof. Brinkmann: Morgen.
Oberschwester Hildegard: Das ist Herr Echsle.
Prof. Brinkmann: Morgen, Herr Echsle. Na, was macht der Beinbruch?
Patient Echsle: Alles prima, Herr Professor. Es juckt und zwickt wie ein Sack Flöhe.
Prof. Brinkmann: Wenn’s juckt und zwickt, dann heilt’s (lacht). Naja, in ein paar Wochen können sie wieder ihre Gebirgswanderungen unternehmen, nicht?
Patient Echsle: Hoffentlich.
Prof. Brinkmann: Alles Gute
Patient Echsle: Danke.
Professor Brinkmann geht zum nächsten Patienten.
Prof. Brinkmann: Aha. Du bist der junge Mann mit dem Hund, nicht?
Werner Kirsch: Ja.
Prof. Brinkmann: Naja, dich lassen wir raus, morgen.
Werner Kirsch: Na, das nützt mir auch nichts. Ich darf den Hund nicht behalten.
Prof. Brinkmann: Achso. Naja, wir werden beide nochmal darüber sprechen. Kommst zu mir morgen früh?
Werner Kirsch: Ja.
Prof. Brinkmann: Gut.
Professor Brinkmann beim nächsten Patienten. Bilder vom letzten Beinaheunfall vor seinen Augen. Er erkennt den Fahrer wieder.
Prof. Brinkmann: Kreuzbandriß. Sie hatten einen Autounfall, nicht?
Friedhelm Hensle: Ja.
Prof. Brinkmann: Naja, ein paar Tage werden sie noch hier bleiben müssen.
Friedhelm Hensle: Aber hoffentlich in einem Einzelzimmer.
Prof. Brinkmann: Ich will sehen, was sich machen läßt. Guten morgen (zu allen Patienten sagend).
Friedhelm Hensle bei der Bewegungstherapie.
Friedhelm Hensle: Bin ich hier in einer Folterkammer oder im Krankenhaus?
Dr. Schäfer: Was ist denn los?
Friedhelm Hensle: Der bricht einem ja alle Knochen.
Dr. Schäfer: Kommen sie, Mischa. Lassen sie mich das mal machen.
Pfleger Mischa: Is gebonkt.
Dr. Schäfer: So.
Friedhelm Hensle: Das ist bestimmt kein Zufall, wie ich hier behandelt werde.
Dr. Schäfer: Über Mischa hat sich eigentlich noch niemand beklagt.
Professor Brinkmann und Werner Kirsch auf dem Weg zum Hüsli.
Prof. Brinkmann: Na, drückt dich was?
Werner Kirsch: Wer sorgt denn für Jerry, wenn sie im Krankenhaus sind?
Prof. Brinkmann: Na Käti, meine Haushälterin. Da ist zwar noch ein kleines Problem, aber die Hürde nehmen wir auch noch.
Beim Hüsli angekommen.
Prof. Brinkmann: Jetzt nicht nervös werden, nicht? Wir müssen taktisch vorgehen, hörst du?
Werner Kirsch: Klar.
Prof. Brinkmann: Also, dann komm.
Käti: Wer ist das denn?
Prof. Brinkmann: Das hier ist Werner Kirsch. Ich hab’ dir doch von ihm erzählt.
Käti: Ich mein' aber den da.
Prof. Brinkmann: Das ist sein Hund. Von dem hab’ ich dir auch erzählt.
Käti: Aber der bleibt nicht hier bei uns.
Prof. Brinkmann: Aber warum denn nicht? Na, wenn’s dem bei uns gefällt? Warum nicht, Käti? Du, so ein Hund nimmt auch nicht jeden an. Dich wird er sicher mögen, ganz bestimmt. Naja, weißt du, dann habe ich mir natürlich gedacht, es ist doch auch für mich sehr gut, wenn ich morgens spazieren gehe und Luft schnappe mit dem Hund, nicht?
Käti: Und nachts? Wenn er nun bellt?
Prof. Brinkmann: Na, du dann sind Einbrecher am Werk. Schau mal, das ist doch gerade das Schöne, dass man einem Hund nicht nur Freude, sondern auch Nutzen hat, nicht?
Käti: Ich hab’s ja gewußt.
Prof. Brinkmann: Was denn, Käti?
Käti: Ich hab’s ja gewußt.
Prof. Brinkmann: Was denn?
Käti: Gleich, als du gestern breit und umständlich anfingst davon zu erzählen. Nu geh’ erst mal rein. Es ist Besuch da.
Prof. Brinkmann: Achso? Wer denn?
Käti: Eine junge Dame, Großmann oder so ähnlich.
Prof. Brinkmann: Kenn’ ich nicht.
Käti: Wegen eines Klinikpatienten, Hensle oder so ähnlich.
Prof. Brinkmann: Aha.
Käti: Es sei wichtig.
Prof. Brinkmann: So, na das muss es ja auch, wenn die mich am Sonntag stören.
Käti und Werner Kirsch auf der Terrasse.
Käti: Na, komm’ mal her. Setz dich. Er hat’s ja gut hier bei uns. Wenn du in der Nähe bist besuchst du ihn. Na, siehst du.
Professor Brinkmann und Frau Großmann.
Prof. Brinkmann: Guten Tag?
Frau Großmann: Guten Tag, Herr Professor. Ja ich störe ihre Sonntagsruhe nur ungern, aber das hätte sich auch vermeiden lassen können, wenn sie ein paar Minuten Zeit für meinen Verlobten Friedhelm Hensle gehabt hätten.
Prof. Brinkmann: Sein zuständiger Arzt ist Doktor Schäfer.
Frau Großmann: Jaja, ich weiss, aber es ist privat. Darf ich mich setzen?
Prof. Brinkmann: Bitteschön.
Frau Großmann: Danke. Tja, mein Verlobter hat sie natürlich sofort wiedererkannt, wie sie ihn auch, und er hat mich gebeten sie um Verzeihung zu bitten für diese kleine Unbeherrschtheit (zeigt mit dem Finger an den Kopf). Erinnern sie sich? Die aber nicht zuletzt deshalb zustande gekommen ist, weil mein Freund sich durch ihre betont langsame Fahrweise provoziert gefühlt hat.
Prof. Brinkmann: Achso? Gut, kommen sie zur Sache.
Frau Großmann: Friedhelm, mein Verlobter, möchte nun gerne wissen, ob sie ihn angezeigt haben oder noch zu tun gedenken. Sehen sie, dieser wirklich bedauerlicher Unfall, der auch ein Opfer gefordert hat, ist versicherungsrechtlich noch sehr strittig und wenn jetzt hinzukommt, dass.......
Prof. Brinkmann: Ich verstehe. Also, wenn das alles ist..... ich habe keine Anzeige erstattet.
Frau Großmann: Das ist nicht alles, Herr Professor. Friedhelm meint nämlich nicht ganz ausschließen zu können, dass er vielleicht aus... aus Rache unnötig gequält wird. Ja, ich weiss, er könnte die Klinik wechseln, aber die Frage wäre nur, ob sie da nicht dieses Mißtrauensvotum damit beantworten würden, dass sie vielleicht.....
Prof. Brinkmann: Das ich doch eine Anzeige erstatte?
Professor Brinkmann öffnet das Fenster.
Prof. Brinkmann: Käti? Die Dame möchte gehen.
Frau Großmann: Ich weiss nicht, von welcher Bedeutung es für sie ist, dass mein Vater Chef der Großmann-Industriewerke ist.
Prof. Brinkmann: Von gar keiner. Guten Tag.
Prof. Brinkmann: Das wird ihnen noch Leid tun.
Käti kommt rein und nimmt Frau Großmann mit zur Haustür.
Melanie Wick im Klinikpark.
Frau Fitz: Guten morgen. Ich hab’ sie vorhin gehen sehen. Sie machen Fortschritte, nicht wahr?
Melanie Wick: Nein.
Frau Fitz: Soll ich ihnen etwas... äh...  zu lesen geben?
Melanie Wick: Nein, danke.
Frau Fitz: Dann lese ich ihnen was vor. Sie war damals 23 Jahre alt und hatte noch keinen Toten gesehen. Ein Beamter hob das Tuch....
Schwester Christa beobachtet die beiden vom Balkon aus und wechselt dann die Medikamente aus.
Patientin Schick: Das hat sie schon öfter gemacht, Schwester.
Schwester Christa: Sie lassen sich nichts anmerken, Frau Schick.
Patientin Schick: Na hören sie mal. Das ist doch Ehrensache, Schwester.
Schwester Christa trifft Professor Brinkmann auf dem Klinikflur.
Schwester Christa: Ach, Herr Professor.
Prof. Brinkmann: Ja?
Schwester Christa: Ich müßte sie in einer wichtigen Angelegenheit sprechen.
Prof. Brinkmann: Na kommen sie mit.
Im Chefarztzimmer.
Prof. Brinkmann: Kommen sie rein, Schwester. Nehmen sie Platz. Na, was haben sie mir zu sagen?
Schwester Christa: Es geht um die Patientin Melanie Wick.
Prof. Brinkmann: Ah, die beidseitige Beinfraktur.
Schwester Christa: Ja. Die Patientin sammelt die Barbiturate... in größeren Mengen. Ich wollte....
Prof. Brinkmann: Ja, aber das können sie doch dem zuständigen Stationsarzt melden, nicht?
Schwester Christa: Ja, das hab’ ich. Doktor Brinkmann, ihr Sohn, meinte, ich soll die Tabletten der Patientin einfach wegnehmen. Ich bin nicht sicher, ob es damit getan ist. Ich meine, dann könnte Frau Wick doch auf eine andere Weise versuchen sich das Leben zu nehmen, falls tatsächlich Suizidgefahr besteht.
Prof. Brinkmann: Sie haben vollkommen recht, Schwester.
Schwester Christa: Ich habe als erstes die Barbiturate gegen Placebos ausgetauscht.
Prof. Brinkmann: Sie sind sehr tüchtig, Schwester Christa. Wo haben sie das gelernt?
Schwester Christa: Ich habe sechs Semester Medizin studiert. 
Prof. Brinkmann: Das merkt man. Ich werde es der Oberschwester gegenüber anerkennend vermerken.
Schwester Christa: Ich möchte sie bitten das nicht zu tun, Herr Professor.
Prof. Brinkmann: Sagen sie, Schwester, sie sind doch mit meinem Sohn befreundet.
Schwester Christa: Nein.
Prof. Brinkmann: Nein?
Schwester Christa: Nein. Es gab Interessen und Sympathien, aber...
Prof. Brinkmann: Bitte entschuldigen sie, ich will ihr Privatleben nicht ausforschen. Es wundert mich nur. Ja, weil ich annehmen würde, dass die Angelegenheit mit der Patientin Wick zwischen meinem Sohn und ihnen doch einverständiger hätte besprochen werden können, nicht? Tja, was machen wir da? Wir haben keine Psychiatrie und wenn sie wirklich gefährdet ist..
Schwester Christa: Verzeihung, Herr Professor, der Unfall damals läßt den Schluss zu, dass Frau Wick absichtlich gegen den Baum gefahren ist. Es war auf gerader Strecke... ohne Gegenverkehr... ohne Straßenglätte... ohne den geringsten Verdacht einer Übermüdung.
Prof. Brinkmann: Woher wissen sie das?
Schwester Christa: Das weiss ich aus der Zeitung. Naja, meine Überlegung ist vielleicht gar nicht so stichhaltig wie ich denke, nur jetzt im Zusammenhang mit den Schlaftabletten...
Prof. Brinkmann: ... ist es ein weiteres Indiz. Sie haben vollkommen recht. Ich danke sehr für ihre Mitteilung.
Schwester Christa: Auf Wiederschaun
Prof. Brinkmann: Wiederschaun, Schwester.

 

 

 

 

 

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