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Die Schwarzwaldklinik

 

Ich habe einen Bruder. Ich kenne ihn erst seit ein paar Jahren. Aber er hat mein Leben verändert. Er hat mich für krebskranke Kinder kämpfen lassen. Er hat mir gezeigt, was Glück ist und Neid. Er hat mich in eine neue Welt eingeführt - Die Welt der wahren Freunde. Danke, Bruder, dass Du mir die Augen geöffnet hast. Danke, Bruder Brinkmann.

 

Vielleicht denken Sie jetzt, der Wussow ist nach 70 Folgen "Schwarzwaldklinik" verrückt geworden. Der glaubt jetzt wirklich, er sei Prof. Brinkmann. Pardon: Ich finde, ich bin recht normal und bodenständig geblieben. Und das mit dem "Bruder Brinkmann" meinte ich natürlich nur symbolisch. Aber das Leben selbst erzählt doch die verrücktesten Geschichten. Vor drei Tagen - Sie werden es vielleicht in der letzten Folge der "Schwarzwaldklinik" gesehen haben, hielt ich meine Schwiegertochter Elke im Arm. Es war nach der Hochzeit mit meinem (Film)-Sohn Dr. Udo Brinkmann. Sie, die Braut in Weiß, flüstert mir zu: "Wie schön, mit dir zu tanzen, Papi!" Und dieses "Papi" war ganz wörtlich zu nehmen. Im Film bin ich der Schwiegervater, und im Leben, Sie wissen's wohl schon, bin ich der Papa.

 

"Haben Sie eine Rolle für meine Tochter?"

 

Dass meine (echte) Tochter zur (Film)-Schwiegertochter wurde, ist wirklich eine komische Geschichte. Vor Beginn der Dreharbeiten 1984 traf ich mich mit unserem Produzenten Wolfgang Rademann in Wien.

"Haben Sie nicht auch eine Rolle für meine Tochter?" fragte ich hoffnungsvoll (meine Tochter Barbara war zu diesem Zeitpunkt als Schauspielerin noch nicht besonders hervorgetreten).

"Zufällig" hatte ich auch ein paar Fotos dabei. Rademann seufzte, sah sich aber die Bilder höflich an. Und daraufhin unterhielt er sich später ein paar Stunden mit Barbara. "Die ist ja niedlich!" rief er. "Die nehm ick!" Und so wurde aus meiner Tochter Lernschwester Elke.

Sie machte ihre Sache so gut, dass Drehbuchautor Herbert Lichtenfeld ihre kleine Rolle immer mehr erweiterte. Und ihr und Sascha Hehn die absolute Schlussszene reservierte: die beiden heiraten. Barbara hat durch die "Schwarzwaldklinik" Karriere gemacht. Im letzten Winter war sie mit dem Stück "Monpti" auf Theatertournee.

 

Die "Klinik" hat jeden verändert

 

So ist das mit der "Schwarzwaldklinik": Sie hat jeden verändert, der mitmachen durfte. Und es waren viele: 8.851 Schauspieler und Statisten in 19.500 Kostümen wurden 751 Drehtage lang auf 208.691 Meter Film gebannt. Die gigantischen Zahlen stehen, so darf man wohl sagen, für einen gigantischen Erfolg. Bis zu 28 Mio. Deutsche schauten pro Folge zu, das ist absoluter Rekord. Die "Schwarzwaldklinik" war bisher die längste und erfolgreichste Abendprogramm-Serie aller Zeiten. 47 Länder haben sie dem ZDF abgekauft.

Weil die Polen kein Geld fürs Synchronisieren hatten, erklärte dort ein Sprecher das Geschehen - so als würde bei uns der gute alte Köpcke die Nachrichten von der Klinik vorlesen. In Ungarn hatte unsere Serie Einschaltquoten von 84 %, in Jugoslawien wurden die Schauspieler der "Schwarzwaldklinik" - pardon, wenn es eitel klingt - zu einer Art Nationalhelden. Die Serie lief erst nachmittags, aber keiner wollte mehr arbeiten. Dann kam sie ins Abendprogramm.

Nun ist die "Schwarzwaldklinik" zu Ende. In Jugoslawien, aber auch bei uns. Mit Wehmut erinnere ich mich an die Schlussszene der 70. Folge: Ich tanzte mit meiner Frau Christa, Gaby Dohm. Sie trug ein rückenfreies Glitzerkleid- - Hochzeitsball mit Stil im Prunksaal des Schlosses Donaueschingen. Barbara Wussow warf ihren Brautstrauß in die Menge, Carola fing ihn auf, strahlte Vollmers an. Der lachte verlegen...

Fast alle Darsteller der letzten Folgen hatte Produzent Wolfgang Rademann aufgeboten für dieses Finale. Bombenstimmung, alle tanzten, alle waren glücklich. So stand es im Drehbuch.

 

"Gestorben", rief der Regisseur

 

Und dann gingen die Scheinwerfer aus. "Gestorben", rief unser Regisseur Hans-Jürgen Tögel. Tonmeister Reinhard Levin schaltete sein Gerät ab. Gaby Dohm löste sich aus meinen Armen und zupfte verlegen an ihrem Ausschnitt. Keine Klappe mehr, keine Einstellung, keine "Schwarzwaldklinik".

Ende, aus, vorbei!

Betroffen sahen wir uns an. Niemand sagte etwas. Stille. Dann rief Sascha Hehn: "Ich muss ganz schnell nach München zurück. Seid nicht böse."

"Ich bin aber böse!" erwiderte Wolfgang Rademann. "Ich erwarte euch morgen alle zum Abschiedsfest."

Ich versprach zu kommen. Denn ich wusste, dass ich mich so schnell nicht vom Schwarzwald trennen konnte. Von den Spaziergängen durch die sanft geschwungene Hügellandschaft, von den freundlichen Menschen, der wunderbar reinen Luft, von... na ja, Sie können es ja ab der nächsten Folge lesen, wenn ich für Sie noch einmal die schönsten Erinnerungen an die "Schwarzwaldklinik" Revue passieren lasse.

 

 

 

 

 

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