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Die Schwarzwaldklinik

 

Sterbehilfe (2)

 

 

Professor Brinkmann bei Dr. Schäfer im Arztzimmer.

Dr. Schäfer: Unsere neue Anästhesistin hat sich ja glänzend eingefügt.

Prof. Brinkmann: Ahja?

Dr. Schäfer: Ja, zwei alte Leute hat sie zurückgeholt, ein altes Ehepaar. War ein hartes Stück Arbeit, aber sie hats geschafft.

Prof. Brinkmann: Ja, das Antithrombin-3-Konzentrat hat sicher auch geholfen. War es ein Unfall?

Dr. Schäfer: Nein es war glaube ich eine Vergiftung. Weiß noch nichts genaues. Waren Sie bei Marker?

Prof. Brinkmann: (nickt) Tja.

Dr. Schäfer: Und?

Prof. Brinkmann: Der weiß gar nicht, worum sichs dreht.

Dr. Schäfer: Naja, als sturer Brocken ist er ja bekannt, aber bei der Landbevölkerung ist er sehr beliebt.

Prof. Brinkmann: Ja, nur Beliebtheit nützt in diesem Fall überhaupt nichts. Man kann ein grobes Fehlverhalten nicht damit entschuldigen, dass man sich tausend Mal richtig verhalten hat, nicht?

Dr. Schäfer: Das stimmt.

Prof. Brinkmann: Allerdings... allerdings hat er mich auch ein bisschen nachdenklich gemacht.

Dr. Schäfer: Ahja?

Prof. Brinkmann: Ja. In Karlsruhe hatte ich einen Kollegen, einen sehr fähigen Kardiologen. Der war richtig stolz drauf, einen 102-Jährigen 4 Monate im Komazustand gehalten zu haben. Und als er dann endlich doch starb, da war er richtig fassungslos. Für ihn hätte das jahrelang weitergehen können auf die gleiche Art und Weise.

Dr. Schäfer: Wo wäre Ihrer Meinung nach die Grenze?

Prof. Brinkmann: Tja. wo? Das habe ich Marker auch gefragt.

Dr. Schäfer: Ach. Na und? (stöhnt vor Schmerzen)

Prof. Brinkmann: Haben Sie was im Rücken?

Dr. Schäfer: Nein nein, das ist nur... ein kleiner Muskelkater. Wahrscheinlich von der Gartenarbeit.

Prof. Brinkmann: Aha. Tja. (nachdenklich)

Dr. Bach auf der Intensivstation bei dem älteren Ehepaar.

Dr. Bach: Na? Gehts wieder? Ich würde sagen, Sie sind über dem Berg. Beide. In ein paar Tagen können Sie wieder raus.

Patientin: Haben Sie das gemacht?

Dr. Bach: Was gemacht?

Patientin: Uns gerettet. Haben Sie das gemacht?

Dr. Bach: Ja, nicht alleine, aber vorrangig ja.

Patientin: Wir wollten aber nicht gerettet werden. Wir wollten sterben. Warum haben Sie das getan? Warum? Ist einmal sterben nicht genug?

Patientin: Aber Frau Hase... ich...

Patientin: Wir waren uns so einig sterben zu wollen. Nehmen Sie uns nun die Schmerzen ab? Die Atemnot, die Einsamkeit? Wissen Sie denn überhaupt, was es heißt zu leben, wenn... wenn jede Bewegung ein Schmerz ist? Wird man sich nicht einmal mehr trösten und helfen können? Sind Sie etwa stolz auf Ihre Tat?

Dr. Bach verlässt sprachlos die Intensivstation.

Dr. Bach im Ärztezimmer. Professor Brinkmann kommt rein.

Prof. Brinkmann: Was ist denn passiert? Ich wollte Dir gerade gratulieren. Haben Sie's nun doch nicht geschafft? Du, kann ich Dir helfen?

Dr. Bach: Nein. Ich hab die Vorgeschichte ja nicht gekannt. Es ging auch alles so schnell.

Prof. Brinkmann: Und wie war die Vorgeschichte?

Dr. Bach: Der Mann hat Rheuma im schwersten Stadium und Herzasthma, die Frau ein Unterleibskarzinom mit Metastasen in Lunge und Nieren. Nach jahrelanger Qual haben sie nun beschlossen in völliger Übereinstimmung zu sterben. Es hat sich nie jemand um sie gekümmert, aber ausgerechnet an dem Tag, an dem sie sich vollgestopft mit Schlafmitteln zum Sterben ins Bett gelegt haben, muss eine Gemeindeschwester kommen und den Rettungsdienst alarmieren. Jetzt klagen sie mich an.

Prof. Brinkmann: Trotzdem hast Du alles getan, was Du tun konntest.

Dr. Bach: Ich bin völlig erledigt. Ich kämpfte um das Leben zweier Menschen, erwarte in meiner Naivität Dankbarkeit und ernte Verachtung.

Prof. Brinkmann: Hättest Du anders gehandelt, wenn Du die Vorgeschichte gekannt hättest?

Dr. Bach: Das frage ich mich die ganze Zeit. Ich weiß es nicht. Wie hättest Du gehandelt? Gegen die Menschen oder gegen das Gesetz?

Professor Brinkmann sieht Dr. Bach nachdenklich an.

Dr. Marker im Kuhstall eines Bauernhofs. Ein Kälbchen ist zur Welt gekommen.

Bauer: Wir danken Dir auch schön für Deine Hilfe, Ignaz.

Dr. Marker: Was bleibt mir übrig, wenn der Veterinär anderweitig verpflichtet ist?

Bauer: Süßes Kälbchen.

Dr. Marker: Jo.

Bauer: Gehen wir einen trinken.

Der Bauer reicht Dr. Marker eine Flasche Schnaps.

Dr. Marker: Danke.

Bauer: Ich der Zeitung hab ich gelesen, dass Du vor Gericht sollst.

Dr. Marker: Ja, wegen Lutz.

Bauer: Die spinnen wohl.

Dr. Marker: Irgendjemand spinnt immer.

Bauer: Die Landbevölkerung steht geschlossen hinter Dir.

Dr. Marker: Das wird jetzt nichts mehr nützen. Der Staatsanwalt hat mir ja die Anklage schon zugeschickt. Bei denen heißt es Tötung auf Verlangen und unterlassene ärztliche Hilfe.

Bauer: Die wissen gerade, wie es hier zugeht, die Juristen, mit dem Leben und Sterben.

Schwester Christa im Schwesternzimmer bei der Medikamentensortierung.

Udo kommt rein. Das Telefon klingelt und Schwester Christa nimmt den Anruf an.

Schwester Christa: Schwester Christa?

Währenddessen nutzt Udo die Gelegenheit und vertauscht zwei Medikamente. 

Schwester Christa: Welche Station? Ach, Station 6. Ihr müsste einen Augenblick warten. Ich bin gerade am Medikamente verteilen. Ja, danke Dir.

Udo verlässt das Schwesterzimmer. Schwester Christa bemerkt nichts und geht ihrer Arbeit weiter nach.

Schwester Christa verteilt die Medikamente.

Schwester Christa: Guten Tag. 

Patientinnen: (gemeinsam) Guten Tag.

Schwester Christa: So, Frau Mörsch, Ihre Pillen.

Patientin Mörsch: Dankeschön.

Schwester Christa: Na, Frau Möller, wie gehts heute?

Patientin Möller: Danke, gut.

Schwester Christa: Prima.

Udo kommt ins Zimmer.

Udo: Tag.

Patientinnen: (gemeinsam) Tag.

Udo: Alles in bester Laune?

Schwester Christa: So, Frau Bauer.

Patientin Bauer: Danke.

Schwester Christa: Na? Heute ohne Fieber?

Patientin Bauer: (nickt) Das erste Mal. Schön, dass sie da sind.

Schwester Christa: Danke, das ist nett, dass sie es sagen. Äh... soll ich Ihnen das Kissen ein bisschen höher legen?

Patientin Bauer: Danke.

Udo überprüft die Medikamente.

Udo: Schwester Christa?

Schwester Christa: Ja?

Udo: Seit wann bekommt denn Frau Mörsch dieses Medikament?

Schwester Christa wirft einen Blick auf den Medikamentenplan.

Schwester Christa: Das... das verstehe ich nicht.

Udo: Ich auch nicht. Das ist doch eigentlich für Frau Möller gedacht.

Schwester Christa steht fassungslos da. Udo verlässt das Zimmer.

Udo im Ärztezimmer. Es klopft an der Tür.

Udo: Ja bitte?

Schwester Christa tritt ein.

Schwester Christa: Das hat wohl Konsequenzen. Ich meine... äh... mit einem Verweis komme ich da doch wohl nicht davon.

Udo: Was ist eigentlich los mit Dir? Zu glücklich?

Schwester Christa: Es ist mir unerklärlich.

Udo: Vielleicht bist Du abgelenkt worden.

Schwester Christa: Hach, das ist doch keine Entschuldigung. Ich sollte besser gleich kündigen.

Udo: Naja, ich kann ja nochmal überlegen, ob ich den Vorfall vergesse. Wer macht nicht mal einen großen Fehler?

Schwester Christa: Danke.

Udo: Ich sagte, dass ich darüber nachdenken werde.

Schwester Christa: Achso.

Udo: Christa, Du weißt, dass ich Dich immer sehr gern gemocht habe. Es fiele mir schwer Deine Existenz zu gefährden, wenn wir gewissermaßen nur Freunde wären. Deine eisige Ablehnung dagegen...

Schwester Christa: Ich verstehe. Du würdest mein persönliches Wohlverhalten Dir gegenüber honorieren.

Udo: Oh, das klingt ja fast wie eine Erpressung. Nein nein nein, ich will nur nochmal in Ruhe darüber nachdenken.

Schwester Christa verlässt das Ärztezimmer.

 

Professor Brinkmann nachdenklich im Chefarztzimmer.

Schwester Christa tritt ein. Sie will gerade wieder gehen, als Professor Brinkmann sie entdeckt.

Prof. Brinkmann: Nein nein, bleib nur da. Ich arbeite an meiner Stellungnahme im Fall Marker. Sie ist fertig, aber... aber mir fallen immer wieder Gegenargumente ein. Ich stelle mich selbst und mein Handeln immer wieder in Frage. Naja, der... der Konflikt ist uralt. Du hast auch Kummer, was?

Schwester Christa: Ich halte es für richtig zu kündigen.

Prof. Brinkmann: Ach du lieber Gott, auch das noch. Ja, warum denn?

Schwester Christa: Dein Sohn hat mich vor einem schweren Fehler bewahrt.

Prof. Brinkmann: Achso?

Schwester Christa: Ja. Ich... äh... wollte Frau Mörsch Cilistran geben statt Medronal und umgekehrt. Er hat es im letzten Augenblick bemerkt.

Prof. Brinkmann: Komm, setz Dich.

Schwester Christa: Ich... äh... wurde während der Verteilung zum Telefon gerufen. Es wäre doch meine Pflicht gewesen alles noch einmal von vorne durchzuchecken.

Prof. Brinkmann: Ja, das ist richtig.

Schwester Christa: Ich war aber sicher keinen Fehler gemacht zu haben. Ich bins mir eigentlich auch jetzt noch.

Prof. Brinkmann: Dann ist ja Udo sozusagen im richtigen Augenblick gekommen, nicht?

Schwester Christa: Er... will seine Entscheidung in aller Ruhe überlegen. Ich nicht. Ich mache lieber sofort eine Selbstanzeige.

Prof. Brinkmann: Mir ist das alles ein bisschen undurchsichtig. Was gibt es in einem solchen Fall in Ruhe zu überlegen? Das ist ein schwerer Verstoß, wenn es so stimmt.

Schwester Christa: Ich... äh... hab ihn verstanden, dass es ihm schwer fiele Meldung zu machen, wenn ich meine eisige Ablehnung aufgebe.

Prof. Brinkmann: Ich nehme die Selbstanzeige zur Kenntnis, erteile Dir einen strengen Verweis und lehne die Kündigung ab. Gut?

Schwester Christa nickt erleichtert.

Beim Amtsgericht.

Verteidigung: Hohes Gericht, ich stelle den Antrag Professor Brinkmann als sachverständigen Zeugen abzulehnen.

Richter: Das Gericht lehnt den Antrag der Verteidigung ab. Herr Professor Brinkmann, ich bitte zur Befragung.

Professor Brinkmann steht auf und wendet sich dem Richter zu.

Richter: Herr Professor, was war die Todesursache des hier zur Verhandlung stehenden Landwirts Lutz?

Prof. Brinkmann: Nierenversagen, Lähmung der Atmungsorgane und eine Schlafmittelvergiftung durch Überdosis.

Richter: Ist es für einen Arzt schwer eine solche Überdosis zu diagnostizieren?

Prof. Brinkmann: Nein, überhaupt nicht.

Richter: Hat Doktor Marker gewissermaßen diese Schlafmittelvergiftung diagnostiziert und ignoriert?

Prof. Brinkmann: Doktor Marker ist ein ganz ausgezeichneter Diagnostiker. Also muss er sie wohl ignoriert haben.

Richter: Der Tod hätte, etwas anders ausgedrückt, an diesem Tag also nicht eintreten müsse?

Prof. Brinkmann: Müssen nicht, aber... aber können. Sein Gesamtbefinden war auch ohne diese Schlafmittelvergiftung sehr schlecht.

Richter: Wie lange hätte der Patient Ihrer Meinung nach am Leben gehalten werden können, wenn Doktor Marker ihn sofort in die Klinik eingewiesen hätte? Wie hoch war die Lebenserwartung?

Prof. Brinkmann: Sie meinen die Sterbenserwartung.

Richter: Mit diesem Begriff schaffen Sie einige Verwirrungen. Dieser ethisch-moralische Fragenkomplex steht hier nicht zur Diskussion. Es geht hier rein um die medizinische Analyse der Lebenserwartung.

Prof. Brinkmann: Sterben gehört zum Tod... und nicht zum Leben.

Richter: Sind auf diese Weise Sterbende noch niemals durch medizinische Maßnahmen gerettet worden?

Prof. Brinkmann: Oh doch, natürlich. Mit Dreißig, Vierzig, Fünfzig, auch mit Siebenundachtzig, wenn der Patient es will. Der Prozess des Sterbens bei Fritz Lutz hätte natürlich um Tage, um Wochen, vielleicht sogar Monate hinausgezögert werden können. Aber es wäre ein... ein qualvolles und unmenschliches Sterben geworden. Und es kann nur die Aufgabe eines Mediziners sein, das Leben zu verlängern, nicht das Sterben.

Richter: Vielen Dank Herr Professor. Das Gericht vertagt sich auf Montagmorgen Neun Uhr.

Udo kommt ins Schwesternzimmer und trifft auf Schwester Christa. Sie steht auf der Leiter. Udo nähert sich ihr von hinten und greift ihr an den Hintern. Schwester Christa steigt die Leiter runter, sieht Udo an und verpasst ihm eine Ohrfeige.

Udo: Das dürfte ein schwerwiegender Fehler gewesen sein.

Udo läuft wutentbrannt hinaus.

Bei Professor Brinkmann im Chefarztzimmer. Es klopft an.

Prof. Brinkmann: Ja.

Udo kommt rein.

Udo: Es tut mir leid Vater, aber ich muss Dir mitteilen, dass Schwester Christa mit Medikamenten grob fahrlässig umgeht.

Prof. Brinkmann: Achso? Wann denn?

Udo: Bitte?

Prof. Brinkmann: Wann sie grob fahrlässig war?

Udo: Vor ein paar Tagen. Ich hatte nur nicht die Gelegenheit...

Prof. Brinkmann: (schreiend) Es war vor zwei Wochen.

Udo: Na schön, vor zwei Wochen, aber...

Prof. Brinkmann: Aber sie hat Dir heute erst eine geknallt, nicht? Oder? Mensch, Du bist mir ein feiner Arzt. Du schützt Deine Weisungsbefohlenen, aber nur, wenn sie sich Deine Frechheiten gefallen lassen.

Udo: Du schützt sie ja auch wegen privater Kontakte. Also wirf mir nicht vor, was Du selber tust.

Prof. Brinkmann: Wegen dieses Vergleichs möchte ich Dir am liebsten auch eine runterhauen. Und wenn Du nicht mein Sohn wärst, würde ich gerne untersuchen, ob Du nicht selbst diesen Medikamententausch vorgenommen hast.

Udo: Das ist eine ungeheure Anschuldigung.

Prof. Brinkmann: Achja? Wirklich? Was hättest Du denn vertauscht? Cilistran gegen Medranol. Ein harmloses Schlafmittel gegen eine harmlose Verdauungspille. Patienten hättest Du doch nicht gefährdet, oder? Aber Christa, und das wolltest Du.

Udo: Ich glaube es ist an der Zeit, dass ich mich an einer anderen Klinik bewerbe.

Prof. Brinkmann: Du, das ist ein guter Gedanke, ja.

Udo: Meinen restlichen Urlaub kann ich gleich nehmen. Sofort, wenn Du nichts dagegen hast.

Prof. Brinkmann: Keine Bedenken, im Gegenteil.

Udo verlässt hastig das Chefarztzimmer.

Professor Brinkmann sitzt in seinem Garten und liest einen Artikel im Schwarzwälder Boten mit der Überschrift "Freispruch für Dr. Marker".

Käti: Der Artikel ist auch für Dich. Ein großer Erfolg.

Prof. Brinkmann: Ja ja, ja ja.

Udo trägt Taschen zum Auto.

Käti: Udo! Was macht er denn?

Prof. Brinkmann: Ich nehme an, er sucht sich bis zu seinem Ausscheiden eine vorübergehende Unterkunft bei einer gerade aktuellen Freundin, nicht?

Käti: Bis zu seinem Ausscheiden?

Prof. Brinkmann: Ja, er will kündigen. Naja, hier in der Klinik geschieht ihm doch laufend größtes Unrecht.

Udo rast davon.

Prof. Brinkmann: Bisschen sehr schnell, nicht? Lauf nicht nach. Du holst Ihn doch nicht ein.

Käti: Was ist denn passiert?

Prof. Brinkmann: Käti, das erzähl ich Dir ein andermal, ja?

Es hupt auf der Straße. Dr. Marker kommt.

Prof. Brinkmann: Marker kommt, schau mal an.

Dr. Marker: Morgen.

Käti: Guten Morgen, Herr Doktor.

Prof. Brinkmann: Morgen.

Dr. Marker: Na Käti, wie gehts?

Käti: Oh danke, gut.

Prof. Brinkmann: Hol noch eine Tasse, Käti.

Käti: Sie können meine nehmen. Sie ist noch unbenutzt.

Dr. Marker: Dankeschön.

Prof. Brinkmann: Komm, setz Dich.

Dr. Marker: Tut mir leid.

Prof. Brinkmann: Was?

Dr. Marker: Dass ich gedacht habe, Du bist gegen mich. Wenn ich geahnt hätte...

Prof. Brinkmann: Jaja. Hätte Dein Anwalt nicht beantragt mich wie ein Gefangener abzulehnen, nicht? Das ist doch klar. Komm, lassen wir das doch. Ich habe auch einige Stadien der Bewusstseinsbildung durchgemacht.

Dr. Marker: In einigen Zeitungen war zu lesen von Standeskollegialität und ärztlicher Notgemeinschaft...

Prof. Brinkmann: Daran muss man sich gewöhnen, Du. Wir Ärzte bieten Angriffsflächen, so oder so.

Dr. Marker: Jedenfalls wollte ich mich bei Dir bedanken und das mit dem auf den Arsch setzen und in Frieden leben, das hätte bei mir sowieso nicht funktioniert. Also ich bin heilfroh, dass ich die Praxis behalte. Andererseits habe ich natürlich über einiges nachdenken müssen, was Du mir da so um die Ohren gehauen hast.

Prof. Brinkmann: Ich habe über Deine Antworten auch nachgedacht. Aber lassen wir das.

Dr. Marker: Jedenfalls muss ich mir einige Grobheiten wohl oder übel abgewöhnen.

Prof. Brinkmann: Mensch, Ignaz. Ha... was wollen wir uns in unserem Alter noch an- oder abgewöhnen? (steckt sich eine Zigarette an)

Dr. Marker: Na, das Rauchen zum Beispiel.

Prof. Brinkmann: Naja, gut wärs ja. Deine Patienten kennen Dich so, wie Du bist. Mit guten Manieren kannst Du doch auf keinen Bauernhof kommen, mensch. Da lachen ja die Hühner.

Dr. Marker: (lacht) Das stimmt auch wieder, ja.

 

 

 

 

 

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