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Die Schwarzwaldklinik

 

Hilfe für einen Mörder (2)

 

 

Auf dem Klinikflur.
Patientin: Ist das denn wahr? Ist er ein Mörder, wie hier in der Zeitung steht?
Schwester Christa: Soviel ich weiss dürfen Sie Ihr Bett nicht verlassen.
Patientin: Entschuldigung bitte.
Patient: Und sowas wird hier bei uns gesund gepflegt.
Patient: Das glaubt man ja kaum.
Patient: Das ist einer aus der Strafanstalt.
Patient: Von mir aus, aber nicht mitten unter uns. Da ist man sich ja seines Lebens nicht mehr sicher.
Patient: Der wird hier einfach aufgepäppelt. Da, lesen Sie mal.
Vollzugsbeamter: Hat denn ein Strafgefangener kein Recht auf ärztliche Betreuung?
Pfleger Mischa: Was ist denn hier los? Was soll er Euch denn tun mit seinem aufgeschnittenen Bauch? Kann sich noch niemals alleine im Bett aufrichten.
Patient: Heute noch nicht, aber morgen vielleicht?
Pfleger Mischa: Ihr macht einen Zoff.
Vollzugsbeamter: Sie brauchen sich wirklich nicht aufzuregen. Sobald der Mann transportfähig ist, kommt er ins Gefängnislazarett zurück.
Im Krankenzimmer einer Patientin.
Lernschwester Elke: Was machen Sie denn da, Frau Schöbel?
Frau Schöbel: Einpacken tue ich, sehen Sie doch.
Lernschwester Elke: Ihre Pillen, Frau List.
Frau Schöbel: Oder meinen Sie, ich leb' mich mit einem Mörder unter einem Dach?
Lernschwester Elke: Aber der Mann wird doch bewacht. Der kann doch niemandem was tun.
Frau List: Wenn unsereins ausserhalb der Zeit einen Arzt haben will, ist keiner da. Und dieser Lump, der wird noch vor einem Lebensretter operiert. Schönes Krankenhaus.
Frau Schöbel: Genau meine Meinung. Sagen Sie's ruhig dem Professor, können Sie ihm ruhig sagen.... ja.
Im Klinikflur werden Zeitungen an die Patienten verkauft.
Oberschwester Hildegard: So, jetzt verschwinden Sie endlich mit Ihren Giftblättern.
Zeitungsverkäufer: Moment mal, ich hab' die Genehmigung von der Verwaltung. Oder gilt die nur, wenn was drin steht, was Sie interessiert?
Oberschwester Hildegard: Werden Sie ja nicht frech.
Lernschwester Elke: Frau Schöbel zieht sich an und will die Klinik verlassen.
Oberschwester Hildegard: Was? Ja dann verhindern Sie das. Die Frau ist doch bettlägerig.
Oberschwester Hildegard wendet sich wieder dem Zeitungsverkäufer zu.
Oberschwester Hildegard: Sie haben das Recht Ihre Zeitungen am Kiosk zu verkaufen und nicht auf der Station. Verschwinden Sie!
Professor Brinkmann kommt die Treppe rauf.
Mühlmann: Das sind Sie ja, Herr Professor. Der Regierungdirektor möchte Sie sprechen. Bei Ihnen zu Hause hat sich niemand gemeldet.
Prof. Brinkmann: Tja, natürlich nicht. Ich bekomme dauernd anonyme Anrufe. Das wird mir zu lästig. Kommen Sie.
Professor Brinkmann und Verwaltungsdirektor Mühlmann auf dem Weg ins Chefarztzimmer.
Karin Meis: Gut, dass Sie kommen, Herr Professor. Ich hab' die ganze Zeit vergeblich versucht Sie zu erreichen. Der Regierungsdirektor, die Ärztekammer, der Bürgermeister, der ganze...
Prof. Brinkmann: Jaja, ich hab' schon gehört. Jetzt bin ich ja da.
Bei Max Ocker im Zimmer.
Max Ocker: Danke. Wann bekomme ich mal was Richtiges zu essen?
Pfleger Mischa: Höchstens übermorgen, Herr Ocker. Entscheidet der Arzt.
Max Ocker: Jaja. Kannst ruhig Du zu mir sagen.
Pfleger Mischa: Prima. Tut noch ganz schön weh, ne?
Max Ocker: Ja, aber das macht ja nichts. Vielleicht mal das Kissen...
Pfleger Mischa: Warte mal, so.
Max Ocker: Danke. Hast auch immer noch nicht versucht meinen Bruder zu erreichen.
Pfleger Mischa: Doch, habe ich versucht.
Max Ocker: Niemand da, was?
Pfleger Mischa: Schon, aber...
Max Ocker: Hat gleich wieder aufgelegt, was? Ja, das hat er schon immer gemacht. Hat auch noch nie einen Brief beantwortet. Naja, ich dachte nur, jetzt, wo ich so krank bin...
Pfleger Mischa: So krank bist Du doch garnicht mehr. Die Schwäche ist normal nach so 'ner Operation. Bist bald wieder völlig gesund.
Max Ocker: Ich will mich ja auch garnicht beklagen. Das Bett da drüben wird wohl nicht belegt, was?
Pfleger Mischa: Nee.
Max Ocker: Ich frage nur, weil ich gern öfter mal mit jemanden sprechen würde, so einer wie Du. Der für alles Verständnis hat.
Pfleger Mischa: Ich komm' ab und zu mal vorbei, so wie es mein Dienst erlaubt.
Max Ocker: Bist ein feiner Kerl.
Pfleger Mischa: Bist Durchblicker, was?
Max Ocker: Und der Professor ist auch sehr freundlich. Naja, was verlang' ich auch.
Oberschwester Hildegard kommt ins Zimmer.
Oberschwester Hildegard: Sie sollen hier keine Sprechstunde abhalten, Mischa, sondern dem Diätpatienten den Tee bringen. Wenn Sie überall so lange rumsitzen, werden Sie nie fertig.
Pfleger Mischa: Ich glaub' mich streift nen Bus. Der Professor hat ausdrücklich angeordnet, dass alle Patienten gleich behandelt werden.
Oberschwester Hildegard: Dann haben Sie mich ja verstanden.
Pfleger Mischa: Ja, lüg' ich denn?
Professor Brinkmann am Telefon im Chefarztzimmer.
Prof. Brinkmann: Nein. Nein, ausschließlich medizinische Faktoren. Ja natürlich. Wir sind ja hier nicht im Urwald. Nein, die Komplikationen des Mannes von der Bergrettungswacht waren nicht vorhersehbar. Nein. Sie werden's nicht für möglich halten, aber sowas gibt's wirklich, ja. Nein, es geht beiden Patienten jetzt wieder gut. Bitte sehr.
Professor Brinkmann beendet das Gespräch.
Prof. Brinkmann: Sowas blödes. Wenn's nach denen gegangen wäre, hätten wir bei Ocker während der Operation die Sauerstoffzufuhr abstoppen müssen. Sagen Sie, warum steht dieser Vollzugsbeamte noch immer in der Gegend herum? Das provoziert doch noch zusätzlich. Oder muss ein frisch operierter Häftling vor dem gesunden Volksempfinden geschützt werden?
Mühlmann: Also ich verstehe ja Ihre Erregung, Professor, trotzdem wenn Sie solche Äusserungen auch in der Öffentlichkeit oder Journalisten gegenüber tun, dann wird es in einer Weise ausgelegt, dass...
Prof. Brinkmann: Jajajajaja, ich weiss.
Mühlmann: Na ganz unverständlich ist die Unruhe unter den Patienten ja auch nicht.
Prof. Brinkmann: Sie wäre ohne diese Zeitungsberichte nie zustande gekommen. Wir haben die Identität dieses Mannes geheim gehalten. Und wir hatten unsere Gründe dafür. Sollte ich sagen, Häftlinge operieren wir nicht in unserer Schwarzwaldklinik? Sie wissen ganz genau, dass wir immer zur ärztlichen Hilfe verpflichtet sind. Und zwar in der Reihenfolge der Lebensgefährdung, ohne Rücksicht auf Stand und Ansehen.
Es klopft an der Tür.
Prof. Brinkmann: Ja?
Oberschwester Hildegard betritt das Zimmer.
Oberschwester Hildegard: Entschuldigung, aber ich möchte Ihnen das hier zeigen.
Prof. Brinkmann: Was ist das?
Oberschwester Hildegard: Das sind die handschriftlichen Notizen des Patienten Ivo Schulz. Die entsprechen im Großen und Ganzen dem Zeitungsartikel.
Prof. Brinkmann: Die hat er doch nicht freiwillig rausgerückt.
Oberschwester Hildegard: In etwa schon. Ein Patient hat Schwester Gabriele darauf aufmerksam gemacht. Sie lagen im Mülleimer.
Prof. Brinkmann: Aha, und soll ich jetzt fragen, warum er das gemacht hat? Kommen Sie, setzen Sie sich.
Oberschwester Hildegard: Dankeschön. Na, der muss raus hier. Er soll sich ein anderes Krankenhaus suchen.
Dr. Schäfer: Das ist doch nicht Ihr Ernst, Schwester Hildegard.
Oberschwester Hildegard: Oh doch. Er schreibt hier nämlich... moment mal... ja, da steht's. Wer soll sich in einer solchen Klinik noch sicher und geborgen fühlen? Also wenn er sich nicht sicher und geborgen fühlt, dann muss er eben weg.
Prof. Brinkmann: Schwester Hildegard, jetzt fangen Sie nicht auch noch damit an. Soll morgen der Bericht erscheinen, Klinik rächt sich an Patienten, indem sie ihm ärztliche Hilfe versagt? Wir sind hier in einem Krankenhaus. Wir sind Ärzte, Schwestern und Pfleger und nicht Angehörige einer großen Strafkammer.
Oberschwester Hildegard: Ja, aber wollen Sie ihn nicht wenigstens zur Rede stellen?
Prof. Brinkmann: Das werde ich mir noch überlegen.
Mühlmann: Ja, wichtiger wäre ein Dementi an die Zeitung zu formulieren.
Dr. Schäfer: Ja, und die Ärztekammer erwartet einen Bericht.
Prof. Brinkmann: Natürlich, klar. Und soweit es unsere Zeit erlaubt, kümmern wir uns noch gelegentlich um unsere Patiente, nicht? Ich danke Ihnen. Guten Morgen.
Im Klinikpark. Frau Lug und ihre Kinder treffen auf Ivo Schulz.
Ivo Schulz: Hallo, hallo Frau Lug.
Frau Lug: Ja?
Ivo Schulz: Ist doch prima, nicht?
Frau Lug: Was?
Ivo Schulz: Na, der Bericht. Der ist nämlich von mir.
Frau Lug: Der Bericht in der Zeitung?
Ivo Schulz: Jaja, ich bin der Reporter.
Frau Lug: Und da treten Sie mir auch noch stolz und frech unter die Augen? Wie können Sie denn behaupten, ich hät g'sagt, ich versteh' die Welt nimmer?
Ivo Schulz: Das haben Sie doch, oder?
Frau Lug: Aber doch nicht in diesem Zusammenhang. Nicht im Zusammenhang damit, dass dieser Häftling zuerst operiert worden ist. Das hab' ich nämlich noch garnet g'wusst. Das bezog sich einzig und allein auf die Tatsache, dass es meinem Mann plötzlich so schlecht gegangen ist.
Ivo Schulz: Jaja, die haben das in der Redaktion natürlich noch bearbeitet. Da kann ich nichts dafür. Aber im Großen und Ganzen müssten Sie mir doch dankbar sein. Das ändert doch nichts an der Sache, dass zuerst ein Mörder und dann erst ein Lebensretter operiert wurde, oder nicht?
Frau Lug: Ich bin Ihnen überhaupt nicht dankbar. Und mein Mann auch nicht. Sie nehmen's wohl immer so, wie's grad' kommt, was? Hätten die Ärzten zuerst meinen Mann operiert und der Häftling wär' in der Zwischenzeit g'storben, hätten's vielleicht anders zug'schlagen. Ärzte ließen todkranken Häftling sterben. Sind Strafgefangene Menschen zweiter Klasse?
Ivo Schulz: Aber ich habe doch nur...
Frau Lug: Schmierfink! Kommt.
Ivo Schulz: Na, sowas.
Professor Brinkmann besucht Anton Lug.
Prof. Brinkmann: Tag, Herr Lug.
Anton Lug: Guten Tag, Herr Professor.
Prof. Brinkmann: Na? Einigermaßen wieder fit?
Anton Lug: Den Umständen entsprechend, ja danke. Bisschen ungewohnt, bin ein Mensch, der Bewegung braucht.
Prof. Brinkmann: Tja, das glaub' ich. Ihre Frau war vorhin bei mir und hat mir gesagt, dass Sie... äh...
Anton Lug: ... dass ich der Klinik keinen Vorwurf mache. Wie könnt' ich auch? Konnte ja nicht vorhersehen, dass i plötzlich ohnmächtig werde. Nein nein, mache Sie sich keine Gedanken, Herr Professor. Ich fühle mich hier sehr gut betreut.
Prof. Brinkmann: Das freut mich. Wissen Sie, dass war für mich gar keine leichte Entscheidung.
Anton Lug: Es war glaube ich eine richtige Entscheidung. Wissen Sie, wenn ich einen Rettungseinsatz habe, dann rette ich doch auch zuerst den am meisten gefährdeten und frag' nicht lang', was er für ein Mensch ist.
Prof. Brinkmann: Ja, das ist richtig.
Anton Lug: Sie hatten wohl Unannehmlichkeiten deshalb.
Prof. Brinkmann: Naja, wie's so ist, nicht? Wiedersehen.
Anton Lug: Wiedersehen, Herr Professor.
Oberschwester Hildegard trifft Ivo Schulz auf dem Klinikflur.
Oberschwester Hildegard: Ja, sagen Sie mal, sind Sie lebensmüde?
Ivo Schulz: Bitte?
Oberschwester Hildegard: Ja wissen Sie denn nicht, was hier los ist? Der Mörder kann jeden Moment aus dem Bett springen, den Vollzugsbeamten überwältigen, ihm die Dienstpistole entreissen und auf alles schießen, was hier rumläuft.
Ivo Schulz: Das... das is aber ein dummer Scherz, Oberschwester.
Oberschwester Hildegard: Ja, aber Sie haben doch selber geschrieben, dass man sich hier nicht mehr sicher fühlen kann und dann laufen Sie hier so rum? Das ist aber furchtbar leichtsinnig. Warum haben Sie nicht eigentlich schon längst die Klinik gewechselt?
Ivo Schulz: In diesem Ton muss ich nicht mit mir reden lassen. Ich werde mich beschweren.
Oberschwester Hildegard: Das ist eine gute Idee. Sehen Sie, da kommen die Herren gerade, die dafür zuständig sind. Herr Schulz möchte sich gern über mich beschweren.
Prof. Brinkmann: Also, Herr Schulz? Die fühlen sich ungerecht behandelt.
Ivo Schulz: Ja, jawohl. Ich habe diesen Bericht nicht formuliert. Nur einige Fakten telefonisch durchgegeben und das ist ja wohl mein gutes Recht als Journalist. Ich habe jeder Bewertung enthalten
Oberschwester Hildegard: Wollen Sie das mal lesen, Herr Schulz? Das sind Ihre Notizen. Oder soll ich's Ihnen vorlesen?
Ivo Schulz: Ich habe nur durchgegeben, dass erst der Mörder operiert wurden und dann erst der Lebensretter. Das ist ja wohl auch die Wahrheit. Deshalb kann ich nicht zwangsweise aus der Klinik entlassen werden.
Oberschwester Hildegard: Aber  aber, wer redet denn davon? Sie sind ja ein Meister im Wortverdrehen. Ich habe Sie lediglich gefragt, warum Sie sich als Patient in einer Klinik betreuen lassen, in der man seines Lebens nicht sicher ist, Ihr Zitat.
Prof. Brinkmann: Tja, diese Frage dürfte doch erlaubt sein, nicht, oder?
Ivo Schulz: Ich werde mich mit meiner Beschwerde an die Ärztekammer wenden.
Mühlmann: Natürlich, tun Sie das. Adresse und Telefonnummer bekommen Sie im Sekretariat.
Professor Brinkmann und Jerry treffen auf ihrem Abendspaziergang auf Schwester Christa.
Prof. Brinkmann: Na? Auch spazieren?
Schwester Christa: Ja, Jerry! Na?
Prof. Brinkmann: Heute scheinen wir beide dienstfrei zu haben.
Schwester Christa: Ja.
Prof. Brinkmann: Wollen wir ein bisschen zusammen gehen?
Schwester Christa: Warum nicht? Zumal wir sowieso ein Verhältnis miteinander haben.
Prof. Brinkmann: Nein!
Schwester Christa: Ja, das weiss die ganze Klinik, seitdem man uns im Gasthof gesehen hat.
Prof. Brinkmann: Na, aber das ist eine große Ehre für mich. Was sagst denn Du dazu, was? Was sagst Du dazu. Er wundert sich über garnichts mehr, was Menschen angeht. Ich übrigens auch nicht. Stört Sie das dumme Gerede sehr?
Schwester Christa: Machmal schon. Das kann aber auch sehr komisch sein, z.B. wenn ich wegen einer Nachlässigkeit nicht gerügt werde, weil's sich jeder sagt.
Prof. Brinkmann: Die hat Rückendeckung beim Chef.
Schwester Christa: So ungefähr.
Elena Bach steht in Brinkmanns Garten und winkt.
Elena Bach: Hallo!
Schwester Christa: Ich geh' dann hier lang weiter. Wiedersehen.
Prof. Brinkmann: Wiedersehen, Schwester.
Professor Brinkmann macht Jerry von der Leine los.
Prof. Brinkmann: So, lauf! Hallo!
Elena Bach: Udo hat mir gesagt Du machst eine Runde mit dem Hund. Da habe ich gewartet.
Prof. Brinkmann: Naja, warum auch nicht?
Elena Bach: Deine neue Freundin?
Prof. Brinkmann: Aber nicht Du auch noch. Eine Schwester aus der Klinik.
Elena Bach: Ich weiss. Die wir neulich mitgenommen haben. Ich hab' meine Mutter in Nürnberg besucht und bin auf der Rückfahrt. Ich dachte mir, ich schau' mal vorbei.
Prof. Brinkmann: Darum wollte ich auch gebeten haben.
Elena Bach: Wie geht's Dir?
Prof. Brinkmann: Mir? Fabelhaft.
Elena Bach: Trotz des Ärgers mit der Presse?
Prof. Brinkmann: Aber doch nicht mit der ganzen Presse, mit einer Zeitung. Die Wogen haben sich auch schon geglättet. Hast Du's verfolgt?
Elena Bach: Natürlich. Wenn Dein Bild in der Zeitung ist. Klaus?
Prof. Brinkmann: Hmm?
Elena Bach: Ich hab' eine Frage. Ich hab' mich beworben.
Prof. Brinkmann: Ahja? Wohin?
Elena Bach: Rat' mal.
Prof. Brinkmann: Keine Ahnung.
Elena Bach: An die Schwarzwaldklinik. Komm', jetzt tu nicht so, als ob Du nicht wüsstest, dass... ups... dass bei Euch die Stelle eines zweiten Anästhesisten ausgeschrieben ist. Ich möchte nicht, dass Du überrascht bist, wenn morgen oder übermorgen meine Bewerbung auf Deinem Tisch liegt.
Prof. Brinkmann: Nun gut, dann bin ich jetzt überrascht.
Elena Bach: Das schadet Dir garnicht. Ich war auch überrascht, weil Du mir nämlich versprochen hast mir Bescheid zu geben, wenn es hier oder in der Nähe eine Möglichkeit für mich gibt.
Prof. Brinkmann: Moment, Moment, Moment, das habe ich nicht.
Elena Bach: Nein?
Prof. Brinkmann: Nein! Das ist ja keine berufliche Verbesserung für Dich.
Elena Bach: Hast Du etwas gegen meine Nähe?
Prof. Brinkmann: Aber... gegen Deine Nähe... das ist doch ein Unsinn. Weisst ganz genau, dass Deine Freundschaft...
Elena Bach: Na siehst Du.
Prof. Brinkmann: Elena!
Elena Bach: Hmm?
Prof. Brinkmann: Ich muss Dir doch nicht erklären, was ich unter Freundschaft verstehe.
Elena Bach: Nein nein.
Prof. Brinkmann: Elena, ich...
Elena Bach: Ja.
Prof. Brinkmann: In Karlsruhe waren wir uns beide darüber klar, dass ein größerer Abstand zwischen Dir und mir...
Elena Bach: ... uns beiden guttun würde. Tut's ja auch. Wir sind wie neu. Wir haben uns richtig regeneriert in diesen Wochen. Wirst Du meine Bewerbung im Kollegium befürworten?
Prof. Brinkmann: Natürlich werde ich das. Es wird kaum Bewerber mit Deinen Referenzen geben.
Elena Bach: Danke.
Prof. Brinkmann: So, und jetzt lade ich Dich zu einem Kaffee in mein Haus ein. Ich muss Dich allerdings warnen. Käti hat ihren freien Tag und mein Kaffee schmeckt...
Elena Bach: ... wie Medizin, ich weiss. Deshalb werd' ich ihn kochen.
Beide lachen.
Udo im Schwesternzimmer bei Lernschwester Elke.
Udo: Also, überleg's Dir.
Schwester Christa kommt rein.
Schwester Christa: Hallo.
Lernschwester Elke: Hallo Christa.
Udo: Hallo Christa.
Schwester Christa: Grüss Dich.
Udo: Na, ich werd' dann mal wieder.
Lernschwester Elke: Ähm... Christa?
Schwester Christa: Ja?
Lernschwester Elke: Ich... ähm... habe' ich Dir... hab' ich Dir eigentlich schon gesagt, dass ich eine Einladung von Udo Brinkmann hab'?
Schwester Christa: Ah nein.
Lernschwester Elke: Glaubst Du er will Dich nur eifersüchtig machen?
Schwester Christa: Dafür solltest Du Dir eigentlich zu schade sein.
Lernschwester Elke: Sag' mal, Christa, bist Du ganz sicher, dass Du Udo nicht mehr liebst?
Schwester Christa: Ja.
Lernschwester Elke: Also ich finde ihn schon faszinierend. Er ist ja kein Typ für immer, ich weiss, aber... mal so?
Schwester Christa: Na, wenn Dir das ausreicht. Mal so?
Lernschwester Elke: Schau', ich will Dir ja nicht weh tun, aber ich...
Schwester Christa: Du tust Dir weh, nicht mir.
Lernschwester Elke: Ich mir? Nein, sicher nicht. Schau', für was Festes bin ich sowieso noch zu jung. Und irgendwie...hach... irgendwie find' ich ihn schon stark.
Schwester Christa: Na, dann sei Du's auch.
Lernschwester Elke: Was?
Schwester Christa: Ach, nichts. Geht mich ja nichts an.
Lernschwester Elke: Du bist mir also... Du bist mir also nicht böse, wenn ich mal mit ihm wegfahre?
Schwester Christa: Ich nicht, nein. Wenn Dir Dein Freund nicht böse ist?
Lernschwester Elke: Haaach, dann ist er's eben. Er ist ja ein ganz netter Typ, aber... Schreiner.
Schwester Christa: Eben. Was soll eine Lernschwester mit einem Schreiner?
Lernschwester Elke: Bist Du jetzt ironisch?
Schwester Christa: Du merkst auch alles.
Max Ocker macht sich fertig für die Klinikentlassung.
Mischa: So.
Max Ocker: Ich werde Dich ganz schön vermissen.
Pfleger Mischa: Klar, weil ich Dir immer die bittere Medizin zum Schlucken gegeben hab'.
Max Ocker: Du verstehst mich schon.
Pfleger Mischa: Du hast noch den Waschbeutel vergessen.
Oberschwester Hildegard tritt ein.
Oberschwester Hildegard: Hier sind die Unterlagen für den Anstaltsarzt.
Vollzugsbeamter: Danke, Schwester. Moment. Den muss ich zuerst a mal durchchecken.
Pfleger Mischa: Na, dann checken Sie mal, Herr Obermeister. Na? Allet jecheckt?
Vollzugsbeamter: Alles in Ordnung.
Pfleger Mischa: Na, prima.
Vollzugsbeamter: So, und jetzt, meine Herren, in die Startlöcher. Sonst meinen die Leute noch, das wär' ein Kurheim für Millionäre.
Draussen vor der Notaufnahme. Pfleger Mischa nimmt Abschied von Max Ocker.
Pfleger Mischa: Tschüss. Ich besuch' Dich mal.
Max Ocker: Ja?
Pfleger Mischa: Na, wenn ich's Dir sag'.
Max Ocker: Ja, wenn Du's sagst, dann stimmt's auch.
Pfleger Mischa: Tschüss.
Max Ocker: Tschüss.
Vollzugsbeamter: Ohne Genehmigung läuft bei uns garnichts, gell?
Pfleger Mischa: Logo, Chef. Ordnung muss sein.
Vollzugsbeamter: Ja, das merken's ein a mol.
Im Garten von Professor Brinkmann.
Käti: Drei Zigaretten. Und sowas will Arzt sein.
Prof. Brinkmann: Du entschuldige, die eine ist von gestern abend.
Käti: Lüg' nicht. Ich hab' den Aschenbecher heute morgen ausgeleert. Also, pass auf. Ich les' Dir was vor. Gegendarstellung: Unser Bericht vom 17. August diesen Jahres bedarf einer Richtigstellung. Die Behauptung, Chefarzt Dr. Brinkmann, habe medizinisch oder moralisch anfechtbar gehandelt, kann nicht so stehen gelassen werden. Seine Entscheidung, erst den lebensgefährlich erkrankten Straftäter Ocker zu operieren und dann erst den verletzten freiwilligen Bergwachthelfer Anton Lug, muss unter Berücksichtigung aller Umstände akzeptiert werden. Das ist auch die Auffassung der Ärztekammer, deren Stellungnahme ,wie auf Seite 3, abdrucken. Verlag und Redaktion.
Prof. Brinkmann: Nicht auch das noch, ja? Die Stellungnahme der Ärztekammer kenne ich nämlich.
Käti: Sowas kann man doch nicht oft genug hören. Kommt Elena nun an die Klinik?
Prof. Brinkmann: Ja.
Käti: Und? Freust Du Dich?
Prof. Brinkmann: Ach ja.
Käti: Das ach stört mich. Ja wäre mehr, als ein ach ja.
Prof. Brinkmann: Also schön, wenn Du so willst. Ja.
Udo kommt mit Lernschwester Elke vorbei.
Udo: Hallo, Ihr beiden.
Käti: Was soll das?
Prof. Brinkmann: Weiss ich das?
Udo: Ich hab' den Schlüssel für's Bootshaus vergessen.
Käti: Warum macht er sowas nur?
Prof. Brinkmann: Unter anderem um mich zu ärgern.
Käti: Wer ist das denn?
Prof. Brinkmann: Eine Lernschwester von uns.
Käti: Aha. Einen Kommentar verkneifst Du Dir wohl dies' mal, hmm?
Prof. Brinkmann: Nicht, wenn Du einen hören willst.
Käti: Nein, ich will nicht.
Prof. Brinkmann: Ich sag' ihn Dir aber trotzdem. Für diese Spielereien ist er langsam zu alt. Er sollte sich ein bisschen mehr um seine Karriere kümmern.
Es hupt auf der Straße.
Prof. Brinkmann: Jetzt hat er noch was vergessen. Wahrscheinlich den Jagdschein für Jungwild.
Familie Lug kommt zum Hüsli gefahren.
Prof. Brinkmann: Ja, wer kommt denn da?
Anton Lug: Grüss Gott, miteinand, Grüss Gott.
Prof. Brinkmann: Grüss Gott, Herr Lug. Wie geht's?
Anton Lug: Danke. 'tschuldigens, wir wollten net stören. Wir möchten nur Dank'schön sagen.
Prof. Brinkmann: Mein Gott, diese schönen Blumen. Womit habe ich denn das verdient?
Frau Lug: Das müssen sie grad' fragen. Grüss Gott, Herr Professor.
Prof. Brinkmann: Und dieser herrliche Korb. Schau' Dir diese Würste an, Käti. Da möchte man ja gleich reinbeissen.
Anton Lug: Tun Sie's doch.
Prof. Brinkmann: Das hätten Sie gerne. Käti, frischen Kaffee... und Schokolade für die Kinder. Ihr mögt doch Schokolade, nicht?
Kinder: Jaaaaaaaaaaaaaaa!
Käti: Endlich mal ein volles Haus.

 

 

 

 

 

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