© 2007 - 2017 / Schwarzwald-Kult-Klinik

Die Schwarzwaldklinik

 

Die Mutprobe (2)

 

 

Bei Professor Brinkmann zu Hause. Er spricht am Telefon.

Prof. Brinkmann: Was? Der Sohn vom Schäfer? Und Schäfer hat ihn gerettet? Na das glaub' ich, dass der fix und fertig ist. Gut, bereiten Sie alles vor. Ich komm' sofort.

Professor Brinkmann legt den Hörer auf.

Prof. Brinkmann: Der Sohn vom Schäfer ist verunglückt, in irgendeiner Höhle. Wahrscheinlich komplizierter Knöchelbruch. Ich fahr' sofort hin.

Käti: Wohin? In die Höhle?

Prof. Brinkmann: Nein, in die Klinik. Die sind schon unterwegs.

Udo: Ich komm' mit.

Bertram wird in die "Schwarzwaldklinik" eingeliefert.

Udo: Gleich rüber.

Dr. Schäfer: Herr Professor... äh... würden sie bitte...

Prof. Brinkmann: Aber natürlich. Warten Sie im Ärztezimmer. Sie auch.

Dr. Schäfer: Danke.

Hannes und Gundi kommen in die "Schwarzwaldklinik".

Lernschwester Elke: Setzen Sie sich bitte einen Moment dahin.

Bertram wird operiert.

Prof. Brinkmann: Andere Position. Na wunderbar. Gelenkknöchel stufenlos.

Nach der OP im Ärztezimmer.

Prof. Brinkmann: So. Keine großen Probleme. Eine einfache Malleolarfraktur mit Bandschäden am oberen Sprunggelenk. Das wird sicher sehr gut heilen.

Dr. Schäfer: Vielen Dank... äh...

Prof. Brinkmann: Liegt auf D, auf 24.

Dr. Schäfer: Gut.

Prof. Brinkmann: So, und jetzt gehen Sie nach Hause.

Frau Schäfer: Danke.

Prof. Brinkmann: Er hat die Ruhe bitter nötig jetzt. (zeigt auf Dr. Schäfer). Wiederschaun.

Dr. Schäfer: Wiedersehen.

Hannes und Gundi warten noch auf dem Flur.

Dr. Schäfer: Wie ist denn Berti nur auf die Idee gekommen?

Hannes: Durch mich. Ich hab's vorgemacht.

Gundi: Eine ganz dumme Mutprobe war das. Ich konnte es einfach nicht verhindern.

Dr. Schäfer: Sagen Sie mal den Leuten, dass sie ihren Sohn verloren haben, ne? Zeigen Sie mal Ihre Hand.

Hannes: Das ist halb so schlimm.

Dr. Schäfer: Trotzdem, gehen Sie in die Ambulanz und lassen sie verbinden.

Am nächsten Morgen. Lernschwester Elke auf dem Weg zu Bertram.

Prof. Brinkmann: Schwester Elke.

Lernschwester Elke: Ja bitte?

Prof. Brinkmann: Bitte noch nichts von dem Toten sagen.

Lernschwester Elke: Ja, ist gut.

Lernschwester Elke betritt das Krankenzimmer.

Lernschweser Elke: Guten Tag, die Herren.

Bertram: Tag. Na, wer hat mich denn so prima zusammengeflickt? Mein Vater?

Lernschwester Elke: Nein, Professor Brinkmann.

Bertram: Donnerwetter, der Chef persönlich. Danke. Ich hab' Hunger. Wann gibt's was zu essen?

Lernschwester Elke: In einer Stunde.

Bertram: Na, das ist ja für alle Beteiligten nochmal ganz gut abgegangen. Mensch, war das 'nen Ding. Total verrückt. Ist was?

Lernschwester Elke: Nein nein.

Lernschwester Elke verlässt das Krankenzimmer.

Bettnachbar: Klar ist was. Einer der dich retten wollte ist abgestürzt, tot.

Bertram: Wo willst'n das her wissen?

Bettnachbar: Auf'm Klo hab' ich das gehört. Sowas ist rum wie nix.

Auf dem Klinikflur. Bertram macht erste Gehversuche. Lernschwester Elke hilft ihm dabei.

Lernschwester Elke: So, immer schön langsam. Nicht zu schnell. Na? Es geht doch schon.

Dr. Schäfer kommt vorbei.

Bertram: Vater. Was ist, Vater?

Prof. Brinkmann beobachtet die Situation und bittet Fräulein Meis Dr. Schäfer zu rufen.

Prof. Brinkmann: Kollege Schäfer soll bitte kommen.

Fräulein Meis: Ja.

Fräulein Meis ruft Dr. Schäfer aus.

Fräulein Meis: Dr. Schäfer bitte zu Professor Brinkmann.

Professor Brinkmann geht in sein Zimmer.

Prof. Brinkmann: Hach.

Es klopft an die Tür.

Prof. Brinkmann: Ja.

Dr. Schäfer tritt ein.

Dr. Schäfer: Sie wollten mich sprechen?

Prof. Brinkmann: Ja. Ja ich wollte Sie sprechen, Herr Kollege Schäfer. Gut, es ist Ihre Privatsache, aber um Schuldgefühle zu erzeugen müssen Sie ihren Sohn nicht mit Liebesentzug bestrafen. Die Schuldgefühle die hat er sowieso.

Dr. Schäfer: Ja aber ist ihm denn nicht klar, dass hier ein Mensch sterben musste nur weil ein paar unreife Jungs eine sogenannte Mutprobe inszenieren mussten?

Prof. Brinkmann: Das Wort unreif haben Sie selbst ausgesprochen, Herr Kollege. Wollen Sie, dass er Depressionen bekommt? Die therapeutisch behandelt werden müssen?

Dr. Schäfer: Nein, in dem Punkt haben Sie wahrscheinlich recht.

Prof. Brinkmann: Ja, bestimmt habe ich recht, ganz bestimmt. Haben Sie ihn gerettet... um ihn zu bestrafen?

Dr. Schäfer: Sicher nicht. Aber Sie können sich nicht vorstellen wie sehr mich das belastet. Ich... ich kann nachts nicht mehr schlafen, weil ich ständig das Bild des abgestürzten jungen Mannes vor Augen habe.

Prof. Brinkmann: Trotzdem. Helfen Sie Ihrem Sohn. Er schafft's nicht allein.

Dr. Schäfer: Ich will's versuchen. Danke.

Lernschwester Elke übt weiter mit Bertram.

Lernschwester Elke: So. Na? Das geht doch schon ganz gut. Fabelhaft.

Dr. Schäfer kommt zu ihnen.

Dr. Schäfer: Danke, Schwester Elke, ich übernehm' das.

Bertram: Danke, Vater.

Dr. Schäfer: Wird schon werden, mmmh?

Bertram: Ja.

Dr. Schäfer: Gut.

Schwester Christa trifft bei Professor Brinkmann zu Hause ein.

Schwester Christa: Die Zulassung! Ab dem Wintersemester bin ich Medizinstudentin in Freiburg.

Prof. Brinkmann: Na wunderbar. Haha, feierlich umarme ich meine angehende Kollegin. Meinen Glückwunsch, mein Schatz. Auch was deine persönliche Wahl angeht, nicht? Einen Besseren als mich hättest du gar nicht bekommen können.

Schwester Christa: Komm', sei nicht so albern.

Prof. Brinkmann: Aber unverheiratet kommst du mir an keine Uni, das ist viel zu gefährlich. Letzten September Sonntag in Sankt Peter, einverstanden?

Schwester Christa: Einverstanden.

Prof. Brinkmann: Einverstanden.

Professor Brinkmann begleitet Schwester Christa mit Trompetengeräuschen im Hochzeitsmarsch zur Terrasse.

Käti: Du sag' mal, bist du krank?

Prof. Brinkmann: Was? Krank? Nein, glücklich. Was einer Krankheit allerdings sehr nahe kommt. Sie ist zugelassen an der Uni.

Käti: Nein.

Prof. Brinkmann: Ja.

Schwester Christa: Ja.

Käti: Ich gratuliere ganz herzlich.

Prof. Brinkmann: Ja, aber du mir bitte auch, ja?

Käti: Hach, gratuliere nicht ganz so herzlich.

Prof. Brinkmann: Warum?

Käti: Das heißt dir zur Christa. Naja, du weißt ja selber, was du manchmal für ein unerträglicher und unmöglicher Mensch bist.

Prof. Brinkmann: Ich?

Käti: Na sicher.

Prof. Brinkmann: Na sag' mal, Käti, bist du wahnsinnig?

Käti: Nein.

Prof. Brinkmann: Ich doch nicht.

Udo kommt vorbei.

Udo: Hallöchen.

Udo stürmt auf die Terrasse und küsst zuerst Käti, dann Schwester Christa und zum Schluss seinen Vater. Dann rennt er in den Keller und holt eine Rosenschere.

Käti: Er auch noch krank.

Udo schneidet eine Rose im Garten ab.

Prof. Brinkmann: Aha, der zweite Versuch.

Udo: Gestatten Sie eine Rose für eine Angebetete?

Prof. Brinkmann: Natürlich, natürlich, natürlich.

Udo: Ja? Schönen Tag noch.

Prof. Brinkmann: Udo! Du, zuviel Fröhlichkeit ist vielleicht auch nicht das Richtige.

Udo: Widmet euch euren eigenen Problemen.

Udo springt mit Schwung in sein Golf Cabrio und eilt davon. 

Hannes, Bertram und Gundi spielen in der Stadt Musik. Sie sammeln Spenden für die Familie des verunglückten Sohnes. Udo kommt zufällig vorbei und gibt eine Spende. Er trifft daraufhin Dr. Schäfer.

Udo: Ist doch ein netter Einfall, finden Sie nicht?

Dr. Schäfer: Ganz prima. Gestern haben wir fast 300 Mark eingenommen damit.

Udo: Spitze.

Udo fährt zu Dr. Katarina Gessner nach Hause. Vor der Tür steht ein Taxi.

Udo: Sagen Sie, warten Sie auf einen jungen Mann mit Kind?

Taxifahrer: Im Gegenteil.

Udo: Was heißt im Gegenteil?

Taxifahrer: Ein alter Mann ohne Kind.

Udo: Achso. Danke.

Dr. Katarina Gessner kommt mit ihrem Vater raus.

Dr. Katarina Gessner: So. Wiedersehen, Vater. Ich besuch' dich auch bald mal.

Vater: Danke, mein Kind.

Dr. Katarina Gessner: Komm' gut nach Hause, ne?

Udo geht zu seinem Auto und holt die Rose.

Udo: Hallo.

Dr. Katarina Gessner: Danke. Hallo. Warten Sie schon lange?

Udo: Ein paar Minuten.

Dr. Katarina Gessner: Und... äh... warum haben Sie nicht geläutet?

Udo: Naja, der Taxifahrer sagte mir, dass er auf einen alten Mann wartet.

Dr. Katarina Gessner: Ahja. Und Sie fürchten sich vor einem Theologen im Ruhestand.

Udo: Ja.

Dr. Katarina Gessner: Kann ich verstehen. Kommen Sie jetzt mit?

Udo und Dr. Katarina Gessner gehen ins Haus.

Udo: Hat Ihr Vater, ich meine weil er Theologieprofessor war, keine Bedenken, dass Sie sich scheiden lassen?

Dr. Katarina Gessner: Doch, natürlich. Aber er weiß, dass ich erwachsen bin. Ach, sind Sie deshalb nicht hereingekommen, weil Sie Angst hatten er könnte Sie im Verdacht haben mein Scheidungsgrund zu sein?

Udo: Och, ich wär' sehr gern Ihr Scheidungsgrund.

Dr. Katarina Gessner: Ahja?

Udo: Ja. Das ist mir jetzt zwar so rausgerutscht, aber es stimmt.

Dr. Katarina Gessner: Ja, meine Scheidung ist in drei Wochen. Wenn Sie dann nochmal darauf zurückkommen wollen?

Udo: Gern.

Dr. Katarina Gessner: Angie wird mir zugesprochen werden.

Udo: Trotzdem. Und falls Sie gedacht haben, dass mich das stören sollte.

Dr. Katarina Gessner: Ja, das hab' ich allerdings gedacht. 

Udo: Gedacht oder... oder gehofft?

Dr. Katarina Gessner: Gedacht.

Udo küsst Dr. Katarina Gessner.

Dr. Katarina Gessner: Weißt du, ich bin über dich sehr gründlich informiert worden. Die Klinik verschweigt nichts. Vielleicht sollte ich jetzt sagen mit mir machst du's bitte nicht so. Aber ich denke, mit mir wirst du's es nicht so machen.

Udo: Das sehe ich auch so.

Dr. Katarina Gessner: Fahren wir irgendwo hin? Feldberg-Restaurant?

Udo: Nein. Es ist Monatsende. Ich hab' meine letzten 20 Mark für wohltätige Zwecke an eine Straßenband gestiftet.

Dr. Katarina Gessner: Ein paar Mark hab' ich auch noch.

Udo: Du bist faszinierend. Und einen Charme hast du, der haut einen um.

Udo küsst erneut Dr. Katarina Gessner.

 

 

 

 

 

© www.schwarzwald-kult-klinik.de